Züchtertipps und Gedanken

 

zur Taubenzucht


Einleitung des 1.Vorsitzenden Karl Degel

 

Werte VSR Mitgliederinnen und Mitglieder,

 

liebe Taubenfreunde,

 

wurde doch im Vorfeld der außerordentlichen JHV des Verbandes Deutscher

Rassetaubenzüchter im letzten Jahr in Suhl viel über das leidige Thema „Zensur“

geschrieben, möchte ich hier zur Einführung nochmal einige Wortlaute in Erinnerung rufen. Reinhard Nawrotzky am 09.Juli 2016 „Facebook“:

 

                                Lesen wir richtig?

 

          Chronik/Stach = Zensur
          Gesundheitsberichte/Löffler=Zensur
          VDT-Online/Bextermöller =Zensur

 

          Leben wir in einem westlichen Land?
          In welchem Jahrhundert?

 

Jetzt beantwortet sich die Notwendigkeit eines eigenen Printmediums..

Auszüge aus dem offenen Brief an den alten VDT Vorstand und die SV und OV

des VDT vom 07.Juni 2016:

Beendigung jeglicher Zensur Es ist unbestritten und vielfach nachzuweisen, dass über die Verbandsmedien nur diejenigen Informationen an Mitglieder kommen, was sich mit der „Ideologie" der Vorstandschaft deckt und das sind vor allem Bilder einer „heilen Welt" und des Herrn Köhnemann. Beendigung jeglicher Bevormundung Der VDT ist kein Selbstzweck-Gebilde! Die Mitglieder = Vereine bilden den VDT, das erfordert eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, kein Über- und Unterordnungsverhältnis. Wie war im Chabo-Rundblick zu lesen: „Es gibt keinen Ober und Unter, niemand steht rechts oder links. Solidarität ist, wenn jeder sich in der Mitte und ernst genommen fühlt.“

Nun  ist es einmal Fakt, das vom neuen VDT Vorstand mehr zensiert wird, als jemals zuvor. Hat man all seine eigenen Worte schon vergessen??

Hat das alles noch was mit der im Offenen Brief von 2016 geforderten Meinungsfreiheit zu tun ???

Wir haben in unserer Versammlung am 09.Juni 2017 einstimmig beschlossen, unsere Homepage zu erweitern. Es wurde der Button Züchtertipps und Gedanken zur Taubenzucht eingefügt. Auch konnten wir  Zfd. Hubert Borgelt für uns gewinnen, dessen „ Züchtertipps“ - und Gedanken zur Taubenzucht wir gerne auf unserer Homepage, selbstverständlich unzensiert veröffentlichen werden.

Nun wünsche ich allen Taubenfreunden viel Spaß beim lesen der ersten Zeilen von unserem Zuchtfreund Hubert Borgelt, viel Spaß weiterhin mit euren Tauben und mit unserem gemeinsamen Hobby!!!!!.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an mich unter kdegel@gmx.de oder direkt an Zfd. Hubert Borgelt unter hbtaubenwelt@gmx.de

Karl Degel 1. Vorsitzender

Bericht Hubert Borgelt

 

Oktober 2017

 

Gedanken zur (Tauben-) Zeit über ein Thema, das nur ganz kleine „Wellen“ schlägt aber bei vielen Züchtern Brechreiz auslöst 

 

Liebe Taubenfreunde,

 

 

 

die „welligen“ Schwingen, besser gesagt die Diskussion um und über diese  begleiten uns jetzt rund  ein ¼ Jahrhundert.

 

Der Beginn

 

Anlässlich der 47. VDT-Schau 1998 zu Dortmund  fielen einigen Besuchern die massiven „Säge­schwingen“ so nannte man die  welligen Handschwingen damals zutreffend, bei einigen großen Tauben – vor allem  bei Pommerschen und Altdeutschen Kröpfern und Römern -  auf. Zu allem Un­glück standen  jeweils, in  diesem Merkmal „hervorragenden“ Exemplare an den Käfig-  Reihenen­den  die am Mittelgang mündeten. So kam es, dass am Schau-Sonntag eine große Zahl von Züchtern diese „Auswüchse“ erkannt hatten, sich in Gesprächen darum emotional aufluden  und „hartes Vorgehen“ gegen diesen „Ausschlussfehler“ forderten.

 

Auch die damaligen Verantwortlichen in verschiedenen BZA`s sahen sich gedrängt kurz nach dieser Schau in der Fachpresse ihren Standardsatz, der wie folgt lautet: „ In jüngster Zeit sind uns ver­mehrt Tauben auf unseren Schauen aufgefallen, die  wellige Handschwingen aufweisen!“  Dieser Satz, schon bei dem Themenkreis „Handschwingen & Steuerfederzahl“ benutzt, war natürlich auch bei den „Wellen“ ebenso falsch und/oder gelogen.

 

Doch dann passierte etwas Ungewöhnliches. Das ganze Theater  um diesen „neuen Fehler“ der schon immer da war – wie ich gleich belegen werde -  schlief sanft und tief ein.

 

Warum werdet Ihr jetzt mit Recht hinterfragen, geschah das?  Ganz schlicht und einfach deshalb, dass die in Verantwortung stehenden Züchter selbst mal ihre Tauben genau unter die Lupe nahem und in der überwiegenden Zahl der Fälle  feststellen mussten  dass ihre Tauben dieses „neue“ Übel auch hatten. So erging es auch den meisten Rassetaubenfreunden, die aufgrund dieser Diskussion ihren Bestand kritisch auf „Wellen“ untersuchten.

 

Status Quo

Es stellte sich heraus, was aufmerksamen Betrachtern schon lange klar war, dass eine große Mehr­heit unserer Tauben, quer durch das gesamte Rassenspektrum, mehr oder weniger wellige Hand­schwingen zeigte. So hielten alle ihren Mund, was auch richtig war, denn bei den wenig sensiblen und sachgerechten Entscheidungen die die entsprechenden Gremien des VDT/BDRG in der Regel trafen und immer noch treffen, wäre es zu einer Ausrottung vieler Rassen  gekommen. So kam es zum stillschweigenden  Abkommen dass man Alles so lässt wie es ist. Im Klartext: Wellige Hand­schwingen sind KEINE Fehler. Damit war ein Status quo gefunden, mit dem alle leben konnten.

 

 

 

Zwar gab es in der Folgezeit immer wieder in einzelnen SV`s  eine Diskussion über die „Wellentau­ben“  - hier tat sich u. A. Besonders der SV der Voorburger  Schildkröpfer, in Person von Hermann Sderra hervor, aber wirklich Greifbares kam dabei nicht heraus. Eigentlich war ja auch alles glas­klar. Oder doch nicht? Der große „Knall“ kam dann auf der

 


...ob bei weißen Schwingen mit Scheckungsmuster...

...oder einfarbigen Tauben - die "Wellen" sind überall! 


 

64. VDT-Schau zu Leipzig im Jahre 2015

 

Dort kam es wie es irgendwann mal kommen muss, wenn man versucht jedes, aber auch wirklich je­des Problem „auszusitzen!“

 

In Leipzig Anno 2015 traf ein wenig informierter PR  auf einen genauso gestrickten PR-Obmann. Letzterer verweiger­te dem PR einige V-Noten mit der Begründung „wellige Schwingen.“ Schon schlimm genug, dass ein Obmann und ein PR, der heute in höchster Funktion agiert, nicht wussten wie vorzugehen ist. Als Betrug an den Züchtern der betreffemden. Tauben empfinde ich es, dass es verabsäumt wurde den für Sat­zungsfragen zuständigen Ober-Obmann zu kontaktieren - oder war der  nicht auffindbar?!?

 

Der betroffene  PR brachte dann  diesen Fall auf der VDT-JHV nachdrücklich vor. Dort erklärte der Obmann für Tauben im BZA Reiner Wolf  klipp und klar: „Wellige Schwingen sind KEIN Fehler – und somit hätten die V-Noten vergeben werden müssen.“

 

Über diesen Vorfall wurde selbstverständlich nach dieser Schau heftigst diskutiert. Als dann der neu zusammengesetzte VDT-Zuchtausschuss gar noch erklärte, dass man sich „Hilfe aus der Ornitholo­gie erhoffe“ lief es mir eiskalt den Rücken herunter und  veranlasste mich diesen  Aufsatz zu verfas­sen.

 


"Formschönheit in der  Wellung" auch 2015 - bei einem weißen Norwichkröpfer.

      Auch schon 1911 "perfekten" Wellen. Hier bei einem Homer


 

Die Historie der „welligen“ Schwingen  

 

Rassetauben mit welligen Handschwingen gibt es schon „immer!“  Belegbar ist das absolut sicher seit es die Tauben-Fotografie gibt. Schaut Euch das Foto des Homer von 1911 in Ruhe an. Es hat sich in 106 Jahren nix verändert! 

 

Schaut Euch weiter das „Titel-Girl“ zu Beginn dieser Abhandlung  an. Dieser „Brünner“ steht für seine  Artgenossen in den 1970er & 1980er Jahren. Die weiteren Abbildungen sind Ausschnitte aus Kunstdruckbeilagen der leider verstorbenen Geflügel Börse. Diese Bilder beweisen: Ob die Schwin­gen nun weiß oder farbig sind  = „Wellen gibt es überall.“ Und schließlich und endlich bestaunt die „unglaublich gleichmäßige „Wellung“ des Norwichkröpfers aus dem Jahre 2015. Wir sehen, wie unsinnig diese Sätze der verschiedenen BZA`s sind. Ihr wisst schon...“in jüngster Zeit...“

 

Also müssen wir uns doch wohl oder übel mit der Ursache  der „Wellen“ befassen. 

 

 

 

„Wellen-Genetik“

 

   Viele von Euch werden erstaunt sein, dass ich bei der Ursachenforschung sofort bei der Genetik – sprich der Vererbung der „Welligkeit“ beginne. Aber nur das ist zielführend! Doch keine Angst, ich versuche alles möglichst einfach zu erklären (die großen Genetiker werden mir sicher wieder Unfä­higkeit vorwerfen) und ich werde auch kurz auf die Gründe  eingehen, die so landläufig als „Ursa­chen“ im Raume schweben, aber im Grunde nur Ausreden betroffener Züchter sind.

 

 

 

Nach den Ergebnissen unserer Testpaarungen werden die gewellten Handschwingen  durch mehrere (mindestens Zwei) rezessive Erbfaktoren hervorgerufen. Dabei ist die Ausprägung der Wellung sehr unterschiedlich. Zum Einen so schwach, dass man sie kaum erkennt, zum Anderen so krass, dass das Wort von den „Sägeschwingen“ voll angebracht ist. Ob dieses „krasse“ oder „ganz schwache“ nun eine Variationsbreite eines oder mehrere Erbfaktoren sind, konnte bisher nicht geklärt werden, ist aber auch für den weiteren Verlauf meiner Argumentation von untergeordneter Bedeutung. 

 

 

Krasse Ausformung der Wellen bei einem Franz. Kröpfer

 

 

 

Wie diesen „Fehler“ beheben?     

 

Um die wichtigsten zwei Wort gleich voran zu stellen: Ganz behutsam. Schütten wir nicht „das berühmte Kind mit dem Bade aus“ - will sagen: Ruinieren wir nicht unsere Zuchten durch un­überlegtes Selektieren und vernichten wir NICHT dadurch wertvollste Zucht-Tauben. Das würde nämlich, wegen einer völligen Nebensächlichkeit, die über Jahrhunderte keinen Züchter gestört hat, einen Rückschritt in die Taubenzüchterische Steinzeit bringen. Das will doch wohl nie­mand!

 

Aber was tun? Haben wir eine Rasse bei der sowohl Spezies mit glatten wie  auch welligen Hand­schwingen vorkommen  muss die Devise lauten: „Bei sonstiger Gleichwertigkeit ist bei der Zucht­auswahl die Taube zu bevorzugen, die glatte Schwingen aufweist. Das ist zwar ein langwieriger Weg, aber er wird über die  Jahrzehnte zum Erfolg. Natürlich ist es jedem Züchter selbst über las­sen, gleich „härter“ durchzugreifen und die „Welligen“ auszusortieren. Das möchte ich aber auf kei­nen Fall raten.

 

Ist nun eine Rasse zu 100 % „wellig“ so bleibt nur der Weg über die Einkreuzung einer Fremdrasse, die absolut frei von dieser Abweichung ist. Auch nicht einfach, aber machbar. Kostet aber auch Zeit – viel Zeit. Diese Zeit gibt aber auch mein Lösungsvorschlag für die Bewertung der welligen  Schwingen in die nächsten 10 Jahre.

 

 

Die Bewertungslösung: Nur behutsame Geduld wird zum Ziel führen!

 

Was bedeutet das nun in der Praxis? Das werden sich nicht nur die PR fragen.

 

Mein Vorschlag ist sehr einfach, leicht durchführbar und für  jeden Beteiligten einsehbar. Dazu er­füllt er die Forderung nach absoluten behutsamen, vorsichtigem Handeln, das möglichst wenige oder gar keine Schäden (sprich Rückschritte im Zuchtstand) der einzelnen Rassen bringt.

 

 So gehen wir vor: Bei der Preisvergabe erhält immer die Taube den Vorzug, die glatte Hand­schwingen vorzuweisen hat. Das kann bis zum letzten Z-Preis geschehen. Aber schon eine Durchführung - nur bei den Spitzenpreisen (also in der Regel bei v oder hv-Tauben) - würde den ge­wünschten  „sanften Druck“ ausüben, um die Zuchtausrichtung  auf den „glatten“ Weg zu füh­ren. Die Note, wie auch die Kritikabfassung bleibt  von der Schwingen-Welligkeit oder Glattheit völlig unberührt.

 

Diese Handhabung sollte nach 10 Jahren, bitte nicht früher, auf ihre Wirkung hin überprüft werden. Danach sehen die dann Agierenden dann weiter – ich hoffe im Sinne der Sache und nicht im Sinne von Einzelpersonen... 

 

 

 

Da wir nun wissen, dass diese  Erscheinung bei unseren Tauben rein genetischer Natur ist, wird sich für diesen Vorschlag auch die nötige Unterstützung in der Züchterschaft finden lassen.

 

 

 

Doch einige Einwände werden kommen!   

 

 

:  Auch die sonst "aalglatten" Farbentauben  "wellen" munter mit...

 

 

 

„Von Märchen und Sagen“

 

Immer wieder hört man von Züchtern  die abenteuerlichsten Ausreden warum denn nun ihre Tauben wellige Handschwingen haben.

 

 

 

Als Erstes wird die „feuchte Luft“ in den Ausstellungs-Hallen verantwortlich gemacht.

 

Die Realität: Tauben, die eine ganz leichte „Wellung“ haben, können durchaus durch sehr feuchte Luft (bei der VDT-Schau in Ulm war das der Fall) stärkere Wellen bekommen, so dass der Züchter sie zum ersten Mal überhaupt wahrnimmt. Diese verschwinden, resp. bilden sich sofort zurück, wenn die Tiere wieder in normal trockene Luft kommen.

 

Auf Eins muss aber der Aussteller besonders acht geben, der immer noch Metall-Transportkisten verwendet: In diesen höchst Tauben unfreundlichen Behausungen entsteht ganz schnell feuchte Luft, zumal dann, wenn die Lüftungsöffnungen noch unglücklich teilweise „zugebaut“ werden. Die Metallwände nehmen keinerlei  Feuchtigkeit von den Ausdünstungen der Tauben auf, wie  es Körbe aus Holz oder Weidengeflecht tun. Nein – oftmals entsteht auf den innen Wänden solcher unsinnigen Transportbehälter noch eine Schmierschicht,am dem sich die Tauben  ganz leicht ihr Gefieder so beschmutzen, dass sie auf der Schau aussichtslos sind.

 

Wenn ich da so an mache Züchter weißer Brünner denke...Aber lassen wir das.

 

Darum, liebe „Metall-Korbbesitzer“ kauft Euch auf  bei nächster Gelegenheit nicht das 150zigste „Pülverchen“ für Eure Tauben, sondern legt Euch endlich eine taubengerechte Transportbox zu. Die Fa. Kirschstein und die „Bochumer Behinderten-Werkstätten“ bieten da topp Lösungen an.         

 

Aber auch wer im Winter meint, er müsse – und sei es nur über Nacht seinen Taubenshlag „hermetisch“ abriegeln, der wird auch „Wellen forte“ bei seinen Tauben, die eine Veranlagung dafür haben, feststellen. Deshalb: auch im tiefsten Winter Schlagfenster auflassen oder aber wenn da partout nicht geht, die Lüftung optimieren. 

 

 

 

Ja – und dann das Futter. Wohl in keinem Bereich der Taubenzucht wird soviel Blödsinn gemacht. Nun – auf die „Wellen“ hat das nur im Extremfall einen Einfluss. Dieser ist dann gegeben, wenn die Fütterung so einseitig ist, das die Tauben allgemein „strubbelig“ sind. Da bleiben auch die Handschwingen nicht verschont! Aber auch die „Säure-Freak`s“ unter uns, die glauben nur mit einem Tränke-ph-Wert von unter 5 können sie ihre Tiere am Leben erhalten, verschlechtern die Federqualität ihrer Tauben erheblich. Nur sie merken es nicht – weil sie es nicht wollen oder können. Für mich ist es eh immer wieder erstaunlich wie wenig die Züchter durch das In-die-Hand-nehmen ihrer Tauben über diese erfahren. Eigentlich erschreckend – zumindest bei den „Altgedienten“...  

 

 

...vielleicht sehen wir ja solche "Wellen" in einem Jahrzehnt nicht mehr!

 

Schlusswort

 

Vieles aus diesem Bereich ließe sich noch berichten – aber lassen wirst es gut sein.

 

Mein Vorschlag liegt nun auf dem Tisch.

 

Keine Angst, ich nehme nicht an, dass davon irgendetwas in die züchterische Praxis einfließen wird. Nur kann jetzt niemand mehr sagen: „Das haben wir nicht gewusst!“                                            Mehr ist auch  beim gegenwärtigen  Zustand der „Deutschen Verbands-Rassegeflügelzucht“  nicht zu erwarten.

 

Bis zu den  nächsten, den vorletzten Gedanken zur (Tauben-) Zeit wünscht Euch, wie immer Euer     Taubenfreund  alles Gute!.

 

Fragen, Wünsche, sachliche Kritik wie immer sehr willkommen unter den bekannten Wegen:

 

hbtaubenwelt@gmx.de

 

Tel.: 02525 6422 nach 19 Uhr  

 

PS Noch ein paar Worte zum letzten Bild dieses Artikels, das Ihr unter diesen Zeilen findet.       Hier sind von einem Künstler, der selbst kein Taubenfachmann war, im Jahre 1850  Pommersche Kröpfer „aus dem Gedächtnis“ per Bleistiftzeichnung der Nachwelt erhalten geblieben. Wenn  es auch  viel­leicht auf dem Foto nicht so deutlich erkennbar ist, auf dem Original sieht man es ganz klar: Der vordere „Pommer“ hat wellige Schwingen. Wäre der Maler selbst Taubenzüchter und/oder Kenner gewesen, so hätte er die Federn sicherlich „begradigt“. So aber blieb uns ein Zeitdokument, das 167 Jahre nach seinem Entstehen aktueller ist wie je zuvor...     

 

Gedanken zur (Tauben-) Zeit über ein Thema, das in der

 

Taubenzucht eigentlich KEIN Thema sein sollte...

 

 

Liebe Taubenfreunde,

 

aufgrund einer „Facebook-Anfrage“ die sich dann zur Lawine mauserte entstand dieser Artikel.. Da­bei dachte ich

 

Wurmbefall bei Tauben

 

sei heute überhaupt kein Problem mehr! Aber wie heißt es so schön „der Mensch irrt so lang er lebt!“

In diesem Aufsatz beschränke  ich mich  auf die beiden Hauptarten der bei unseren Tauben vorkom­menden Würmer.

a) Die Spulwürmer. Diese sind die „weniger gefährliche“ Art für unsere Tauben. Sie ernähren sich in der Hauptsache vom Darminhalt des Tieres – wir „füttern“ die Würmer also praktisch mit..

Dennoch ist ein starker Spulwurmbefall der Kondition und damit der Gesundheit unserer Tauben äußerst abträglich. 

b) Viel hinterhältiger und gefährlicher sind die Haarwürmer. Superklein, fügen sie der Darminnen­haut der Taube zahllose kleine Verletzungen zu, aus denen sie den Tauben  Blut entziehen!

Beide Wurmarten können aber auch Lungen- Leber- und Nierenentzündungen verursachen. 

 

                           Klein - heimtückisch - gefährlich: Haarwürmer im eröffneten & gesäuberten Darm. 

Bevor wir zu den Behandlungsmöglichkeiten kommen, Eins gleich vorweg:

 

Im Grunde steht uns so „ohne weiteres“ kein  Bekämpfungsmittel gegen Würmer für unsere Tauben zur Verfügung. Euer Tierarzt muss das Mittel schon „umwidmen „ d. h. ein Mittel, das nur für ande­re Tierarten (hier oft die Brieftauben) nicht aber für Rassetauben (diese sind auch zur Gewinnung von Lebensmitteln vorgesehen – lt. jetziger Gesetzeslage) zugelassen ist wird vom Veterinär mit der entsprechenden Dosierungsanleitung und ggf. weiteren Handhabungsvorgaben für unsere Tauben abgegeben.

 

Dieses beim Lesen meiner Zeilen bitte immer beachten!     

Beginnen wir, ganz gegen meinen Gewohnheit, mit der Behandlung eines starken Wurmbefalls un­serer Tauben, der von einem Tierarzt diagnostiziert wurde.                                                              

Festgestellt werden die Würmer mittels Untersuchung  einer frischen Kotprobe, die optimaler Weise noch durch einen Kloakenabstrich  von jeweils einer Taube je Schlagabteil ergänzt wird.

 

Als Mittel zur Bekämpfung sind am Markt:

 

Zur Einzeltierbehandlung: ASCAPILLA, Hersteller Chevita. Wirkstoff: Fenbendazol

 

 So wird die Behandlung durchgeführt:

 

 Die zu behandelnde(n) Taube)n) – die mindesten 12 Stunden KEIN Futter erhalten haben -   wer­den  einzeln in Dressurkäfige verbracht, die mit Zeitungspapier ausgelegt sind. Pro Taube wird eine ganz kurz in Wasser eingetauchte Kapsel soweit in den Rachen geschoben, das die Taube sie auch schluckt. Gut ist es, wenn man diese Behandlung mit 2 Personen durchführt. Eine hält die Taube, die andere verabreicht.                                                                                                                  Ist keine zweite Person greifbar, kann man auch die Taube in ein Frottee-Handtuch einwickeln und  das Ganze im Sitzen zwischen den Oberschenkeln/Kien sanft einklemmen. So hat man beide Hände frei und die Behandlung ist problemlos. 

 

Ca. 3 Stunden nach der Eingabe erhalten die Tauben wieder Futter – bitte nicht früher. Wasser muss ihnen natürlich IMMER zur Verfügung stehen.

 

Die Tauben verbleiben 2 Tage im Käfig. Die Zeitungseinlage sollte mindestens alle 6 Stunden er­neuert werden.

 

 Nach dem 1. Tag bekommt jede Taube eine Tropfen „CIS HAKIMOL „Grüne Tropfen“ Dieser Tropfen wird per 1 ml Spritze verabreicht. Die Spritze wird nach aufziehen des Tropfens (0,05 ml) bis zur Füllung mit warmen Wasser versehen.   

 

Bevor die Tauben wieder in ihren Schlag kommen erhalten sie eine Colostrum Immun-Kapsel. Her­steller ist die Fa. Dr. Wolz. Über Internet Apotheken lässt sich dieses Präparat, dass wir auch zur Vor­bereitung unserer Tauben zur Schau benötigen, relativ preiswert erwerben.

 

Zur Gesamtbestands-Behandlung, die natürlich auch über eine Einzeltierbehandlung möglich ist  und eigentlich auch bevorzugt werden sollte,  steht das Mittel Concurat-L (Wirkstoff: Leva­misol) zur Verfügung.

 

Taube durch Haarwurm befall auf die Hälfte ihres Normalgewichts abgemagert  

 

Zur Gesamtbestands-Behandlung, die natürlich auch über eine Einzeltierbehandlung möglich ist  und eigentlich auch bevorzugt werden sollte,  steht das Mittel Concurat-L (Wirkstoff: Leva­misol) zur Verfügung.

 

Hier geben wir unserem Bestand über 3 Tage hinweg das Präparat als alleinige Tränke.

 

Die Dosierung muss aktuell mit dem Tierarzt des Vertrauens abgesprochen werden, da je nach Wit­terung die Aufnahme  von Wasser bei Tauben extrem schwankt. Wenn das abgeklärt ist, gehen wir wie folgt vor.

 

Die Tauben erhalten, wie schon oben beschrieben, mindestens 12 Stunden KEIN Futter. Das heißt in der Praxis: Am Abend darf sich nach der Fütterung kein Körnchen Futter mehr im Trog befinden Am Morgen  entfernen wir die Tränke aus dem Schlag und füttern die Tauben mit rund einem Drit­tel der normalen Tagesration. Nach ca. 20 – 30 Minuten geben wir dann die fertig angemischte Tränke in den Schlag. Nur so erreichen wir, dass auch genügend Wasser aufgenommen wird. Das Gleiche ma­chen wir dann bei der Abendfütterung, nur mit dem Unterschied, dass dann die Tauben satt gefüttert werden.

 

So gehen wir 3 Tage hintereinander vor. Danach wird der Schlag gründlich gereinigt und ggf. desin­fiziert. Ist „gewachsener“ oder Sandboden in der Voliere, so ist bei einem massiven Wurmbefall  gut 30 cm tief  zu entfernen und durch neuen Sand zu ersetzen. Die Erneuerung des Volieren Bodens sollte ohnehin spätestens  alle 5 Jahre erfolgen – besser noch in kürzeren Intervallen. Oder man ent­scheidet sich für ein Auslegen mit Rosten. Das ist aber nun beileibe nicht jedermanns  Sache..   

 

Auch nach der Behandlung mit Concurat-L  sollten  die Tauben Vitamine erhalten. Auch hier leisten

 

CIS HAKIMOL „Grüne Tropfen, gute Dienste. Anwendung: Mit der Menge der Morgenfütterung vermengen wir so viele Tropfen, wie Tauben im Schlag sind. Dieses Gemisch kann dann noch mit etwas VDT-Kropfvital abgebunden werden und schon haben wir einen topp Gesundheitsschub für unsere von der Wurmlast befreiten  Tauben

 

Alternativ kann auch Quiko Vitacombex Verwendung finden. Dosierung nach Vorgabe des Tier­arztes.

 

Die bis hierhin beschriebenen  Behandlungen müssen innerhalb 16 – 20 Tage wiederholt werden. Nicht eher und nicht später. Tun wir das nicht war alle Mühe umsonst! Der Erfolg der jeweiligen Kur sollte durch eine Untersuchung beim Tierarzt abgesichert werden!  

 

Als drittes  Mittel möchte ich Euch auf die verschiedenen  Tropfmittel hinweisen,  die aber nur für den Brieftaubenfreund frei zugänglich sind. Das Schöne an diesen Mitteln ist, dass sie gleichzei­tig gegen Würmer und Außenparasiten helfen. Für uns sind sie tabu, da sie nicht für Tiere zuge­lassen sind die „zur Erzeugung von Lebens dienen“

 

Dennoch kann es ja nicht schaden, wenn man weiß, wie unsere Freunde von der Reisetauben-Fakul­tät mit diesen Produkten die Ivermectin  enthalten vorgehen. Leider ist es im Reisesport heute schon so, dass die Tauben viel zu oft damit behandelt werden. Wenn nämlich auf dem Fläschchen steht, „Wirkungsdauer 4 -6 Wochen, so wird oft gnadenlos alle 4 Wochen „getröpfelt.“ Das ist nicht nur schädlich für die Tauben, sondern auch barer Unsinn.

 

Würden die Brieftauben, wie es nach meiner Meinung optimal ist, ca. 3 Wochen vor dem Anpaaren und nach abgeschlossener Mauser „getropft“ so würde das voll ausreichen um einen belastungsfähi­gen und  relativ schonenden Schutz gegen  Endo- und Ektoparasiten  zu gewährleisten. Es gibt auch schon Mittel, von denen  der Hersteller behauptet, sie würden ihre Wirken über ein Jahr aufrecht er­halten. Dazu fehlen mir aber noch die Rückmeldungen aus der Brieftaubenszene.

 

Soweit die Behandlungs Möglichkeiten. Nun aber zu den „Nebenwirkungen dieser Mittel, sie schei­ne ja vielen Züchtern „unter den Nägel zu brennen.“ Liebe Freunde ich würde mir zuerst Gedanken machen, warum meine Tauben immer wieder Würmer haben – aber dazu nachher mehr.

 

Also

 

 Die Nebenwirkungen

 

In meinem naiven Glauben habe ich bis vor geraumer Zeit gedacht: „Kein vernünftiger Mensch kommt auf die Idee, mitten in der Zuchtzeit ein Kur gegen Würmer zu machen“ Doch die Geflügel Zeitung und ihr „Chefschreiber“ bewiesen mir da Gegenteil. Immerhin ist es diesem Zuchtfreund hoch anzurechnen, dass seine „Schusseligkeit“ öffentlich machte, um so andere Züchter vor dem gleichen Fiasko zu bewahren.

 

Natürlich ist es so, dass wachsende und mausernde Tauben  bei einer „harten“ Wurm (Levamisol usw,) Wachstums- und/oder Federschäden davon tragen. Die bekommen sie auch bei hochgradigem Haarwurmbefall. Aber bei „mittelgradig“  bei Haarwürmern und selbst „hochgradig“ bei Spulwür­mern passiert eigentlich nix, wenn nicht noch andere Stressfaktoren dazu komnen. Hier seinen nur genannt: Akute Infektion mit einem anderen Krankheitserreger, überfüllte, dreckige Schläge, nicht taubengerechte Versorgung usw.  Also während der Zucht- und Hauptmauserzeit sind  Wurmkuren taubu. Sollten allerdings schon Todesfälle, die gesichert auf zu hohen Wurmbefall zurück zuführen sind, dass muss man halt in den „sauren Apfel beißen“  und eine Kur machen. Mit „Ausstellen“ ist es dann natürlich nicht mehr so toll..

 

Aus dem bisher Geschriebenen, lässt sich leicht ableiten, dass sich  die häufig gestellte  Frage nach der „Unfruchtbarkeit von Täuber und Täubin eigentlich gar nicht stellt, da in diesem Zeitraum keine „Kuren“ gemacht werden sollen. „Bleibende Schäden“ bei sachgerechter Anwendung der hier ge­nannten Mittel sind mir nicht bekannt – wären auch völlig unlogisch.

 

Aber – ein „wilder Missbrauch“  dieser Mittel  kann schon einen Bestand ins Fiasko treiben.

 

Verhinderung von Wurmbefall

 

a)  Das Wichtigste ist ein trockener Schlag und eine Voliere, deren Boden, wie beschrieben beschaf­fen ist. Ein Offenfrontschlag ist optimal!

 

b) Eine möglichst geringe Schlagbesetzung. Ihr kennt ja die Faustregel: pro Zuchttier 1 Schlagraum, je Jungtier 0,5 besser 0,75 Raum!! Nistzellen und Voliere NICHT mit einge­rechnet!

 

c) Optimale Versorgung der Tauben an Hand des VDT-BETZ-Versorgungskonzpts! Für die, die es immer noch nicht kapiert haben, dies ist keine „Schleichwerbung“ sondern nur ein wichtiger Hinweis für die Gesunderhaltung  Euer Terauben bei minimierten Kosten.

 

 d)  Die mindestens zweimal jährliche Vorstellung Euer Tauben bei einem Vet. Arzt.

 

 

Was hilft NICHT gegen Würmer

 

                                                  Spul- und Haarwürmer sind keine Vampire!

 

Diese Argumentation habe ich aufgegeben! Mir scheint es bald so, dass in keiner anderen Tierzucht-Sparte der Aberglaube und die Wundergläubigkeit so hoch ist wie bei uns.

 

Mittlerweile gibt es Züchter, die würden ihrem „Mittelchen-Verkäufer“  bis in die Niagara-Fälle fol­gen. Wenn sie dann dort in den Tod stürzen, werden sie nicht denken „tot – jetzt schon“ sondern und „UNSER Mittelchenverkäufer (näher darf es ich es hier nicht beschreiben) sorgt dafür, dass wir in der letzten Sekunde unseres Lebens noch eine so wunderschönen Ausblick haben...!!!“

 

Deshalb, diese Diskussion ohne mich.

 

Dafür lasse ich hier einen der besten Tauben-Tierärzte, die wir je hatten, den leider viel zu früh ver­storbenen  Tiberius Mohr sprechen,

 

Er schrieb in einer seiner hochklassigen Broschüren zu Thema „Wurmbefall“ folgendes:

 

„Der Grund für den hohen Durchseuchungsgrad ist das Vertrauen der Taubenzüchter in die Wirk­samkeit von Knoblauch. Knoblauch bzw. Zwiebeln oder entsprechende Extrakte führen  zwar mit Sicherheit dazu, dass es im Schlag unangenehm riecht. Darmparasiten werden jedoch nicht auf Di­stanz gehalten -  eher die Mitmenschen. Auf Würmer üben weder der Knoblauch noch die Zwiebel irgendeine Wirkung aus. Knoblauch und(oder) Zwiebeln können außerdem bei Tauben toxisch (gif­tig) wirken. Bestimmte In­haltsstoffe, die in üblichen Mengen für den Menschen nicht giftig sind (z.B. N-Propyldisulfid) füh­ren bei der Taube zu lebensbedrohlichen Blutbildveränderungen.“  

 

Liebe Taubenfreunde, das zu „den Würmern“!

 

Und – versprochen. Im nächsten Artikel kommen die „welligen“ Schwingen zu ihren „Recht“!

 

Bis dahin wünscht Euch der Taubenfreund eine gute Zeit!

Fragen, Anregungen & sachliche Kritik wie immer unter den Verbindungswegen:

 

hbtaubenwelt@gmx.de

 

Tel.: 02525 6422 nach 19 Uhr

Neubeckum, im Oktober 2017            

 

Literaturnachweis

 

Tiberius Mohr:  Informationen für Brieftaubenzüchter – Parasiten bei BT

Tiberius Mohr:  Medizinische Versorgung im Brieftaubensport

Dr. vet. Werner Lüthgen: Taubenkrankheiten, 2. Auflage

Dr. med. vet. Ludwig Schrag: Handbuch der Rassetauben Band II 

Dr. vet. Carl Vogel: Taubenkrankheiten

Bericht September/Oktober 2017

von Autor: Hubert Borgelt

 

Gedanken zur (Tauben-) Zeit  über ein brisantes Thema das alle Züchter interessieren sollte

  

Zu viele oder zu wenige Hand- und/oder Steuerfedern

 

                                           Glanz und Elend unserer Tauben = Die Federn

 

 

Eine Diskussion mit Schrecken ohne Ende

 

oder

 

einem Ende mit Schrecken? 

 

Vielleicht aber auch eine Problem-Lösung durch:

 

 *vorbehaltlose Be­standsaufnahme

 

*taubengerechter Betrachtungsweise

 

*fundieren Sachverstand

 

 *vorausschauende, von Logik geprägten Maßnahmen  

 

Liebe Taubenfreunde,

 

in welcher Züchterrunde, welcher  SV-Jungtierbesprechung usw. haben diese Themen in den letzten Jahren keine Rolle gespielt? In den Wenigsten - nehme ich an.

 

Dieses sind allerdings auch Entwicklungen, deren Problematik man nur durch Erklärung der Histo­rie, dem aktionistischen Handeln einiger Würdenträger in Geschichte & Gegenwart  und  dem tat­sächlichen, aktuellen Stand in der praktischen Welt der Taubenzüchter &  Taubenaussteller einiger­maßen befriedigend  begreifbar machen kann.

 

Dabei können noch nicht einmal annähernd alle substanziellen  Quellen und Fakten, die ich zu die­sem Themenkreis in Literatur, durch persönliche Mitteilungen  (pm)  und eigener züchterischer Er­fahrung zusammen getragen habe, entsprechend gewürdigt werden.

 

So bleibt die älteste Taubenliteratur (vor 1700) ebenso außen vor wie die Namen der – sicher in bes­ter Absicht handelnden – Funktionäre, die teilweise auch schon von uns gegangen sind.

  

Nicht ersparen werde ich Euch einige  Dinge, die beileibe  keine „Zierde“ für unsere Taubenwelt sind. Nur immer alles  - sagen wir mal „nicht so Schöne“ - verschweigen mag zwar viele Freunde bringen, der Sache aber ist es absolut unzuträglich.

  

Liebe Leser, Ihr merkt schon „das wird ein längerer Aufsatz!“  Damit habt Ihr völlig Recht. Doch bei diesem für unsere  Taubenzucht essenziellen Problemkreis  ist das leider nicht anders zu ma­chen.  Auch mir fällt es schwer, diesen Aufsatz zu fertigen. Einmal weil meine Zeiten, die ich am PC verbringen kann sehr knapp bemessen sind und auch meine absolute Restzeit deutlich  absehbar ist.

 

Wenn man bedenkt, wie einfach es wäre diese Misslichkeiten auszuräumen. wenn alle Beteiligten  mit guten Willen und der Bereitschaft versehen, Sachzwängen  die durch Fakten belegt sind zu fol­gen, ist es für den Schreiber dieser Zeilen schon sehr frustrierend. Nun aber „ins Thema!“!

 

Historie

 

Liebe Freunde, im Zurth-Buch von 1956 „Die Welt der Tauben“ lesen wir sinngemäß „Es gab da­mals sogar schon Riesentauben, deren Nachkommen noch heute unter dem Namen „Römer“ be­kannt sind. Dies über­lieferte uns Plinius der Ältere (23-79 n Chr.).

 

Was ich mit diesem Zitat sagen will, ist folgendes: Seit weit über 2000 Jahren gibt es die Rassetau­benzucht. In diesen zwei Jahrtausenden ist  uns nie schriftlich überliefert worden, dass ein Züchter oder ein Mitglied eines Taubenzuchtverbandes auf die Idee gekommen ist, dass mehr oder weniger wie 10 Handschwingen und mehr oder weniger als  12 Steuerfedern einer Taube als „strafbar“ ange­kreidet werden muss. 

 

Die ersten die das taten waren nach Christian Reichenbach (GB 11/12/97)  Ende 1979 unsere Brü­der und Schwes­tern in der damaligen „DDR“ und im darauf folgenden Jahr der BZA des BDRG, nach­zulesen im Protokoll vom 8.5.1980. In beiden Fällen war die Steuerfederzahl das Ziel der Re­striktionen. Abweichungen wurden als „Missbildungen“ tituliert“ Wem „Gott ein Amt gegeben“ der nimmt dann auch in Anspruch festzulegen was normal“ und was missgebildet ist. Aber dazu später mehr. Jedenfalls war „der Einstieg“ die „Federzählerei“  die uns bis heute verfolgt wie ein böser Fluch.

 

In dieser Zeit sprach ich mit Udo Grossek, Maisach, damals im VDT-Zuchtausschuss   für die Kropftauben zuständig, auf einer Großschau über dieses Thema. Udo, auf die „Schwanzfederrege­lung“ angesprochen, sagte mir damals wörtlich: „Hubert, dass mit dem Schweif konnten wir nicht verhindern.“ Auf meinen Einwurf, dass nun bald auch die Handschwingen gezählt würden sprach Udo aus voller Überzeugung: „Niemals! Niemals wird das passieren! Und – Hubert einen „Ein­heitskröpfer“ wird es auch nie, nie geben!“  Wenn auch Letzteres nicht zum Thema gehört, es lässt das Schmunzeln über die Aussagen des lieben Udo`s  angesichts der heutigen Situation  blitzartig erstar­ren.  

 

Gut bzw. schlecht, Udo hat nicht Recht behalten und einige Jahre später wurden auch die Tauben mit 9 oder 11 Handschwingen,  als nicht der Norm entsprechend  und damit „deformiert“  zum Ab­schuss freigegeben.

 

Nach heftigen Protesten der  Züchter „Kurzer“ Tauben, die vermehrt mit 9 Schwingen zu kämpfen hatten (war schon immer so – hat nur keine S.... gekümmert.) wurde dann ein Kompromiss – auch auf starken Druck des VDT-Vorsitzenden hin – gefunden.  Der wie folgt lautete: (Kurzfassung) „Kleine“ Tauben dürfen 9 Handschwingen und „große“  11 Handschwingen haben.  Wer nun ent­scheidet, was ist „groß“ was ist „klein“ ist?!?  Das entschieden wiederum „die Götter der Zuchtaus­schüsse“  

 

...in der Literatur...

 

...befassten sich nur wenige  Autoren mit „abweichenden“ Federzahlen.

 

Als ersten, völlig unvoreingenommener und genau beobachtenden  Wissenschaftler zitiere   ich hier Charles Darwin, der Begründer der Evolutionstheorie. In seinem Grundsatzwerk:

  

„Das Variieren der Thiere und Pflanzen im Zustande der Domestikation“   

 

Erschienen  1868

lesen wir in der deutschen Übersetzung:  „ Die Schwung – und Schwanzfedern variieren meist der Länge nach, zuweilen aber auch unabhängig von einander und von der Größte des Körpers. Die Zahl und Stellung (z. B. bei Pfautauben d. Verf.) der Schwanzfedern variiert in einem unvergleichli­chem Grade. Die Schwungfedern erster und zweiter Reihe variieren gelegentlich der Zahl nach, of­fenbar in Korrelation mit der Länge des Flügels“

 

In weiteren Ausführungen berichtet C. Darwin an einigen Stellen über Tauben, die Federzahlabwei­chungen aufwiesen. Jedoch dadurch keinerlei Einschränkungen unterworfen waren.

 

Weit früher, nämlich 1790 schreibt  der Verfasser des 1. deutschen Taubenbuchs, des berühmten so­genannten 

 

„Ulmer Taubenbuch“

 

diese Zeilen über  unser heutiges Thema lediglich: „An diesem Bürzel sitzt der Schwanz.Er besteht meistentheils aus 12 Federn.“

 

Also auch hier kein „Bestehen auf 12 Steuerfedern. Bei der Zahl Handschwingen schweigt sich der Autor aus. Es interessierte sicher auch niemanden! 

 

Aus den neueren Fachbüchern  verdient die Äußerung von Dr. Kurt Vogel  in seiner Schrift von 1980 Beachtung. Dr. Vogel, eher den Brieftauben zugewandt, schreibt in seinem Buch

 

„Die Taube“

 

folgendes: Tauben besitzen 21 bis 22 Schwungfedern...Von ihnen werden die den Vorderflügel bil­denden zehn  bis  elf großen Federn Handschwingen und die nach innen gerichteten zehn kleineren abgerundeten Federn Armschwingen genannt.“

Bei den Schwanzfedern schreibt Vogel schlicht „der Schwanz besteht aus 12 Steuerfedern“. Die Schwanzfederzahl war und ist für den Brieftaubensportler immer ohne Bedeutung.

 

Warum zitiere ich das Alles? Hiermit möchte ich Euch einmal klarmachen, dass die erhöhten oder verminderten Federzahlen früher keine Rolle spielten obwohl sie da waren. Es hat nur keiner ge­zählt.  Und – was noch viel wichtiger und entscheidender  ist, durch Darwins Aussage wird meine eben aufgestellte These  gestützt, dass der Satz, der uns jetzt gleich extrem stark beschäftigen wird einfach nur am den Haaren herbeigezogen ist.

"Hier, ganz  nach Vorschrift  - 12 Federn. Doch die Form ähnelt mehr der eines "defekten Handfegers"

 

Dieser Satz, immer von jeweiligen Vors. Des BZA genutzt lautet:

 

„In jüngster Zeit mussten wir feststellen, dass immer mehr Tauben mit einer erhöhten  Steuerfederzahl bzw. verminderter Federzahl auf unseren Ausstelllungen angetroffen werden“

 

Die Variante mit den mehr oder weniger an Handschwingen lautete sinngemäß gleich, war aber ge­nauso falsch.

 

...in der Fachpresse

 

Belegt wird diese Aussage durch die Arbeiten von Ch. Reichenbach in verschiedene Ausgaben der Geflügel Börse. Obwohl  das so wohl sicher nicht beabsichtigt war.

 

Der hochgeschätzte  Zuchtfreund verfügt über einen kaum glaublichen Fundus an genauesten Auf­zeichnungen über seine Taubenzucht. Teilweise über 3 Jahrzehnte und länger hinweg.

  

In  4 Aufsätzen in den Geflügel Börsen 11 & 12/1997, 18/1998 und  2/1999  wird  u. a. dokumen­tiert, dass es schon seit langer Zeit dies Abweichungen gab und immer noch gibt.  Dazu muss er­wähnt werden, das die „Reichenbachschen“ Untersuchen in ihrer überwältigen Zahl bei  normal großen Tauben durchgeführt wurden. 

 

Das heißt für uns im Klartext: Die immer wieder angeführte Theorie,  ganz kleine Tauben = weniger Federn, ganz große Tauben = mehr Federn auch ein Ammenmärchen ist.   

 

Zfr. Reichenbach, ein ausgewiesener Gegner von Abweichungen bei   Standardnormen von Steu­er- und Handschwingenzahlen, bei normalschwänzigen Tauben, berichtet über seine eigenen Erfahrung­en hinaus über Aufzeichnungen anderer Züchter  aus noch älterer Zeit. Diese haben  auch schon zu viel oder zu wenig „große“ Federn als Thema.

 

Als Fazit der Reichenbach-Aufsätze kann man folgendes ziehen: Mehr oder weniger Federn hängen NICHT mit der Größe der Taube zusammen, Es ist als gesichert anzunehmen, dass diese Erschei­nungen  durch mehrere, vermutlich rezessive Erbfaktoren „verursacht werden. Eine Beeinträchti­gung der Tauben findet da durch in keinster Weise statt. Auch verändert sich das äußere Erschei­nungsbild des betr. Tieres nicht.  

 

Die von Ch. Reichenbach beschriebenen „Deformationen“ kann der Schreiber dieser Zeilen nicht als gegeben hinnehmen, solange die Federn vollkommen ausgebildet sind und sich die Schwanz- & Flügelform  nicht von außen sichtbar verändert. Auch kann er Ch. R. nicht folgen, wenn er bei ein­zelnen Abweichungen Inzucht als Ursache anführt. Die eigenen Erfahrungen und Aufzeichnungen sprechen eindeutig dagegen.   

 

In der Gesamtschau müssen wir Christian Reichenbach sehr dankbar sein, dass er uns sein umfang­reiches Wissen zur Verfügung gestellt hat. 

 

GEGEN die Ahndung von mehr oder weniger Federn haben sich naturgemäß etliche Zuchtfreude in der Fachpresse geäußert. Zu nennen sind hier vor allem das Ehepaar Jungnickel, Manfred Loick, Dr. F.  Hebeler und Alfons Perick. Alle argumentierten mehr oder weniger aus der Sicht ihres favorisier­ten  Rassenspektrums.

 

Weitere, schwergewichtige Stellungnahmen, sind die Ausführungen von  drei sehr bekannten Taubenkennern:

 

Da wäre zu Beginn  das Duo

 

Koen Joris (B) und Axel Sell (D

 

Fantastischer Flügelaufbau bei  einer "überschwingten" Brieftaube Foto: Axel Sell 

 

Diese beiden Zuchtfreunde, der belgische  Nachwuchsgenetiker und der Vater der Taubengenetik in Deutschland, Axel Sell,haben eine vielbeachtete Arbeit über den Versuch zur Klärung der Über- resp. Unterschwingkeit  bei Tauben – in ihrem Fall von Brieftauben  - veröffentlicht. Ihre Versuche ergaben sehr ähnliche Ergebnisse wie die von Ch. Reichenbach. Auffällig war, das sie bei einigen wenigen Tauben, die eine Schwungfeder mehr hatten, die dazu gehörige Unterflügel-Deckfeder fehlte. Dazu folgendes: Der „Tipper“ dieses Aufsatzes befasst sich aus anderen Gründen sei gut 10 Jahren  intensiv mit dem Unterflügel unserer Tauben. Neben Anderem fiel ihm auf, dass auch bei 10/ 10 geschwingten Spezies, im durchgemauserten Zustand hier und da eine Deckfeder fehlte. So dass man das Fehlen einer kleinen Abdeckfeder nicht zwingend „der Feder zu viel“ anlasten kann.  Wer sich für den ganzen Bericht von unseren beiden Forschern interessiert, kann diesen auf der Ho­mepage von Axel Sell einsehen oder aber gespannt auf das „Premium-Heft“ des VDT, welches in Leipzig erscheinen soll, freuen. Denn in dieser Schrift ist er auch verewigt.

    Weiter geht es mit

 Prof. Dr. Gerd Rehkämper

Prof. Rehkämper, vielen von uns noch als Mitinitiator der WGH bekannt, führte in einem Schreiben an den SV d. Z. d. Engl. Short-Faced Tümmler Züchter im Jahre 1996 zum Thema Handschwingenz­ahl folgendes aus:

Was die Zahl der Schwingen angeht kann ich Ihnen aber sagen, dass bei Taubenartigen generell eine gewisse Variationsbreite gegeben ist. Im Mittel (der Handschwingen d. Verf.)  sind zwar 10 Schwingen typisch, aber im Bereich der Mittelhandknochen zum Beispiel kann die Zahl natürlicher­weise sechs herum schwanken. Ich meine darum, dass deshalb die Diskussion um eine Feder mehr oder weniger biologisch nicht sehr relevant ist.“    

Und zu guten, wichtigen Schluss, ein Weltreisender in Sachen Tauben

 

Thomas Hellmann

 

Hier seine Antwort auf meine Frage, ob auch in anderen Ländern Europas die „Federzähle­rei“ Einzug gehalten hat:

 

 Es gibt meines Wissens nach kein weiteres Land in Europa, dass sich zu so einem drakoni­schen Entschluss wie D bei der Schwingen- Steuerfederzahl hat hinreißen lassen. In den Ländern englischer Prägung stößt diese deutsche Rigorosität sogar auf Unverständnis: gilt dort doch der Grundsatz:'Je näher man an ein Tier dran muss um den Fehler zu finden, de­sto unbedeutender ist er für das Gesamturteil'. 

 

Die Frage, die sich mir stellt ist: erleidet die Taube durch eine Schwinge mehr ein Leid oder spielt sich das Hin und Her der Schwingenzahl im Bereich normaler genetischer Schwan­kung ab? Es scheint doch komisch, dass die 'Deutsche Normtaube' 10 Schwingen haben muss während es dem Rest der Welt schnuppe ist. Gibt es nicht dringendere Probleme zu lö­sen in der Taubenzucht ? Ach nein, dazu müsste ja ein Umdenken stattfinden - da fliegen doch eher noch die Kühe...

 

Ein weiterer, überlegenswerter Aspekt ist die immer weiter fortschreitende

 

Verarmung der genetischen Variabilität bei unseren Rassetauben 

 

Durch die Züchtung  nur auf äußere Merkmale hin – also schlicht die optische Erscheinung –  verengen wir den Genpool bei unseren einzelnen  Rassen immer mehr. Unser Bemühun­gen  die Rassetauben-Varianten  immer uniformer zu machen, hat eben auch seinen Preis. Ihr wisst ja, je kleiner der Genpool, desto wahrscheinlicher wird die Krankheitsanfälligkeit bei unseren Tieren!   Die Freunde von der Brieftraubenfakultät haben es da einfacher. Fit und schnell müssen ihre Tauben sein. Alles andere ist ohne Belang. So konnte Zfr.  Axel Sell vor gar nicht langer Zeit auf  einer großen Reisetaubenschau  einen „hoch dekorierten „Ren­ner der Lüfte“ entdecken, der ein deutliches  Jabot (Halskrause)  zeigte. Gut, einen Strasser  mit Ja­bot  wird man auf unseren Schauen wohl kaum tolerieren (Vorsicht – Satire!) Aber durch die  Akzeptanz von gewissen Spielräumen  bei der Zahl der Schwingen- & Steuerfe­dern er­höhen wir die genetische  Bandbreite bei unseren Rassen bedeutend – ohne ihr spezi­fisches Aussehen, auf das wir  züchten – zu verändern. Eine Chance, die wir bisher  völlig ignoriert und somit vergeben haben! Durch Gespräche mit Biologen, Veterinären und Ver­haltensforschern hat sich diese, eben beschriebene  Möglichkeit, als unbedingt erwähnens- und beachtenswert bei mir herauskristallisiert . Wer weitere  Infos über diesen Themenkreis und taubenbiologisch relevante Themaen   erlangen möchte, dem seien die Schriften von Prof. Dr. Haag-Wackernagel wärmstens empfohlen             

 

Im Deutschen Rassetauben-Standard...

 

kamen unsere „erhöhten oder verminderten Zahlen“  schon ab 1980 vor. Und wie gesagt, keiner kümmerte sich darum – wäre es doch so geblieben...

 

Um die Mitte der 1995er Jahre wurde dann plötzlich „harte Linie gefahren!“ Eine riesige Verunsi­cherungswelle erfasste das Taubenland! Zu dieser Zeit wurde durch kopfloses und von den ver­bandseigenen Funktionären zu verantwortenden „Panikselektionen“  wertvollstes Taubengut ver­nichtet. Gott sei Dank kam dann die in der Einleitung beschriebene Kompromisslösung.

 

 Heute...  

 

Völlig  schiefe Schwanzhaltung. Ein Über das immer mehr auftritt, aber fast nie gestraft wird.

 

 

...steht diese Formulierung im der Deutschen Tauben-Musterbescheibung:

 

Allgemeine Ausschlussfehler bei Tauben:

 

...Mehr als 11 Handschwingen und weniger als 9 Handschwingen..

 

Vorläufig gelten als Fehler (nicht als Ausschlussfehler): Weniger als 12 Schwanzfedern bei allen Rassen: mehr als 12 Schwanzfedern. Ausnahme: Bei Rassen, bei denen eine höhere Schwanzfe­derzahl gefordert wird.  

 

...und in der Realität?!?

 

Zum Glück – und das schreibe ich ausdrücklich so – haben viele Preisrichter der Irrsinn dieser Re­gelung erkannt! Sie unterlassen schlicht und einfach das Zählen der Großen Federn! Dafür achten sie aber auch eisenhart auf  geschlossenen Schwanzaufbau  und sehr gutem Rückenschluss. 

 

Das Fiasko...

 

Züchter von Tauben mit zu wenig Federn haben jetzt, wie man so schön sagt, die „A...karte“ gezo­gen.

 

Die anderen aber haben da „andere“  Möglichkeiten... Was da passiert ist ein Trauerspiel!

 

                                                           Erster  Akt des Trauerspiels

 

Zfr. Erwin Sedlmeier hat es in „Die Rassetaube“ 2/04 mit seinem Aufsatz: Ziehen von Schwin­gen- und Schwanzfedern bei Tauben“ auf den Punkt gebracht, wenn er schreibt: „Es wird gezo­gen und betrogen auf Teufel komm raus!“  Weiter führt E. S.  Im Bezug auf die zur Zeit gültige Re­gelung aus: „Leider muss hier in aller Deutlichkeit gesagt werden:nichts, aber auch gar nichts ha­ben sie gebracht!“ Zuchtfreund Sedlmeier bezieht sich zwar in seinem Artikel vornehmlich auf die Kropftauben-Szene,  doch haben seine Aussagen durchaus für alle Gruppen unserer Rassetauben Gül­tigkeit. Auch seine Feststellungen zu den tatsächlichen Übeln des immer mehr auftretenden „blättri­gen“ Schwanzaufbaus und den hängenden Ortfedern, die nur selten hart gestraft werden, ha­ben all­gemein Gültigkeit. Überraschend mag sein, dass die markanten und sich hartnäckig vererben­den Fehler NICHT durch ein „Mehr“ an Steuerfedern verursacht wird, sondern schlicht und ergrei­fend ein eigenständiges Manko mit spezieller genetischer Grundlage hat.

 

Wenn dann noch Sv`s  in ihren sogenannten Bewertungsrichtlinien Tauben mit  „hängende(r) Ortfe­der(n)“ noch ein „g“ zubilligen, dann versteht  man die Welt nicht mehr. Denn, es ist schlicht eine Steuerfederdeformation, die die Note „U“ nach sich ziehen muss! Eine perfekt ausgebildete 13 oder 14 Feder will man strafen, Fehlbildungen werden geflissentlich übersehen.

 

Zweiter Akt des Trauerspiels

  

Noch eine böse Folge hat das „Federn zählen.“  Da ja die Züchter, die schon Ende Oktober (z.B. zu  Hannover) ihre Tauben „voll durch gemausert“ haben müssen, wird alles, was bis ca. 2 Monate vor dem Bewertungstermin noch an alten Federn steht einfach gezogen. Das geschieht im Schwingen wie im Steuerferbereich Züchter, die alten neue Federn nicht unterscheiden können – und das sind mehr als wir denken mögen – greifen zu noch rabiateren Mitteln, die ich hier nicht schildern will. Zu dieser Kategorie gehören auch die „Hinterpartieverkürzer“ die durch das unselige „Zählen“ freu­dige Urständ feiern. 

 

Wenn ich dann wieder das Gejammer der Züchter höre, die namentlich nach frühen Schauen hohe Verluste durch die  „sogenannte Jungtaubenkrankheit“ beklagen, habe ich eigentlich nur noch Mit­leid mit den armen Tauben. Wissen die Züchter eigentlich, was sie ihren Tauben mit dieser Zieherrei  an­tun? Sie bringen ihre „Toptiere“  völlig aus dem biologischen Gleichgewicht – die Folgen sind ver­heerend!   

 

Dritter Akt des Trauerspiels

  

Zum bösen  Schluss kommen wir zu den Ausreden, warum unbedingt die „genormte“ Federzahl vorhanden sein muss.

Dann heißt es mehr als 12 Steuerfedern  hätten einen Einfluss auf die Bürzeldrüse. Und wenn? Es gibt eine kleine Anzahl an Taubenrassen (bestes Beispiel Pfautauben) die gut ohne Bürzeldrüse le­ben können. Aber die Wirklichkeit sieht ohnehin anders aus. Nur ein verschwindend geringer Teil an „Überschwänzern“ hat überhaupt Veränderungen an der Bürzeldrüse. Die haben aber „12er“ in Einzelfällen  auch...

 

Dann ist da noch die Sache mit der „Größe“ der Taube.  Wie wir von Ch.  Reichenbach erfahren ha­ben  können  auch mittelgroße Tauben mit allen „Minder- und Mehrzahlen bei den betr. Federn  auf­weisen. Hinzu fügen kann ich noch, das auch eher kleine Tauben  all diese Abweichungen haben können. Allein in diesem Jahr waren 3 Altösterreichische Kiebitze mit  13 und einer sogar mit 14 Steuerfedern ausgestattet. Vor Jahren hatten wir sogar einen mit einseitig 11 Handschwingen.

 

 Noch zwei bedenkenswerte Aspekte....

 

...als Erstes wären  da die Armschwingen, also die 10 -12 ???  kleineren Schwingen  hin zum Kör­per der Tauben. Die Fragezeichen  habe ich ganz bewusst so gesetzt, denn – wer hat diese Schwin­gen schon mal gezählt? Ist auch schwierig, gebe ich zu. Nur so zur Info: Auch hier gibt esVariatio­nen. Das soll aber jetzt bitte nicht als Motivation für weitere „Zählarbeit“ der PR sein – ganz im Ge­genteil! Es soll einem klaren Denken  zu diesem Thema Vorschub leisten.

 

Denn – sind Armschwingen für die Taube weniger Wert (aus biologischer Sicht – nicht nach Stan­dardvorgaben) wie die Handschwingen? Doch wohl nicht. Und – wäre ein leichteres Zählen dieser Schwingenausformung  möglich, so hätten die „Reglementierer von „vorgestern“ sicher  auch hier erbarmungslos zugeschlagen!  Dieses Beispiel lässt erkennen wie  widersprüchlich und ab­surd  im Grunde diese ganze Zählerei ist.    

 

...als Zweites müssen unbedingt die Ortfedern, also die beiden äußeren Schwanzfedern, die eindeu­tig an der wesentlich schmäleren Außenfederfahne erkennbar sind.  Diese Federn fehlen – nach meiner und vieler Zuchtfreunden  Kenntnis – fehlen diese beiden Federn auch bei einem „unterbe­fiederten“ Schwanz nie! So muß das Fehlen einer oder beider  Steuerfedern unbedingt als „grober Fehler“ in die Bewertung der betr. Taube einfließen. So kann man auch nie durch ziehen der beiden äußersten Steuerfedern das Übel der „hängenden Ortfeder“ kaschieren!

 

Dieser Fehler ist einer der mit am häufigsten auftretenden schlimmen  Fehler bei unseren Tauben.

 

Hier noch mal die genaue Definition, die auch so – sinngemäß & eindeutig – Eingang in den Deut. Rassetaubenstandard  unter der Rubrik „Ausschlussfehler“ finden muss:

 

 Hier nochmals zum mitschreiben:

 

Hängende Ortfedern in "Reinkultur"  Die Wellen haben bei dieser Taube schon auf das übrige Steuergefieder übergegriffen.

 

 

 

 

Hängende Ortfeder(n): „Eine oder beide äußeren Steuerfeder(n) einer ausgemauserten Taube häng(en)t deutlich unter dem sonstigen Schwanzniveau, so dass ein auffälliger Zwischenraum entsteht und (das ist WICHTIG!) sie sind (ist) stark gewellt!“

 

 Das „Gewellte“  ist deshalb von so überragender Bedeutung, weil man bei derart  beschaffenen  Federn eindeutig von einer „hängenden Ortfeder“ ausgehen kann. Hängt eine GLATTE Feder, so kann es sich durchaus, resp. wird es sich immer um eine temporäre Erscheinung handeln, die durch Transport  und/oder  „Schaufertigmachen“ entstanden ist. Ggf. ist die Feder gebrochen. Dann kann man sicher noch die Note g  - vielleicht sogar  höher  - vertreten. Bei der „klassi­schen“ hängenden Ortfeder hat der Kandidat immer NULL Punkte. (..deformiertes Gefieder)

 

Diese zuletzt aufgeführten Sachzwänge müssen unbedingt in den deutschen Rassetaubenstan­dard eingefügt werden. Das ist längst überfällig, wie so viele andere elementare Dinge auf die­sem Gebiet.

 

Liebe Taubenfreunde, auf den vorherigen Seiten habe ich versucht, Euch und den „Endschei­dern (wenn sie diesen Aufsatz denn lesen) die Ursachen, die Entwicklung und die verheerenden Folgen der „Federzählerei“ zu erläutern.

 

Nun ist es an der Zeit, einen sinnvollen Vorschlag zur Beendigung dieses Wahnsinns zu bringen.

 

Hier ist er:

 

a) Handschwingen: Bei allen Taubenrassen werden 9 - 11 Handschwingen zugelassen. Natürlich beidseitig! Größere Abweichungen sind auch ohne große „Zählerei“  zu erkennen.  Auf exakte Schwingenlage und Flügelschluss  ist  verstärkt  zu geachtet.

 

Das hat zur Folge, dass Tauben mit schlechter Rückendeckung und „sperrigen Schwingen  keine Chance mehr auf hohe Noten  haben.

 

b) Steuerfedern: Bei allen Rassen, wenn nicht vom Standard eine höhere Zahl verlangt wird, werden 10 – 14 Federn zugelassen. Die beiden Ortfedern müssen vorhanden sein. Fehlt auch nur eine, so gilt das als Ausschlussfehler.

 

Auf „fächernden“ Schwanzaufbau und die  offene Schwanzmitte – diese wird hervorgerufen durch ungewöhnlich schmale Innenfahnen der beiden mittleren Steuerfedern -  wird verstärkt geachtet! Tauben, die damit behaftet sind, werden je nach schwere dieser Erscheinung(en) herabgestuft. 

 

Diese Lösung ist, nicht nur meiner Auffassung nach, DER Weg aus der „Federzählmisere die in den  vergangenen Jahrzehnten vielen wertvollen, vitalen  Tauben das Leben gekostet hat und et­liche Aussteller schlicht und einfach zu Betrügern gemacht hat. Das sind harte Worte, aber es kennzeich­net haargenau  den Istzustand!   

 

Dadurch wird auch kein Züchter, kein SV  gezwungen, der es tatsächlich geschafft haben sollte, sei­nen Bestand oder gar die ganze Rasse auf den „Federnormtyp“  gezüchtet zu haben diesen Weg zu verlassen. Denn –  diese Lösung lässt viele, wenn nicht alle  Wege zur „Glückseligkeit“ zu.

 

Mir ist dabei bewusst, dass ein Gemisch  aus Zement, Kies und Wasser, nach seiner jahrelangen Aus­härtung nur sehr, sehr schwer auflösbar ist. Doch wenn wir es  nicht versuchen, wird es nie einen Erfolg für unsere Tauben  geben!

 

In diesem Jahr wird der VDT-Gedächnispreis zur Erinnerung an Alfons Perick (1909 - 1998) in Leipzig ausgespielt.

 

Diese Züchterpersönlichkeit schrieb - zu dem hier behandelten Thema - zwei Jahre vor seinem Tod an Zfr. Manfred Loick Folgendes:

 

Ich hoffe, dass ich noch den Sieg der Züchter der großen und kleinen Tauben erleben kann. Ich nehme an, dass die Vernunft doch letztlich siegen wird.“

 

Nun, hier irrte der große Mann, wie wir alle schmerzlich erfahren mussten. Würde jetzt der VDT einen Antrag im Sinne dieser Abhandlung stellen, so könnte im Jahre 2018 – also 20 Jahre nach sei­nem Tod – Alfons Perick`s größter Wunsch in Erfüllung gehen. 

 

Zum Abschluss hat der Taubenfreund noch eine große Bitte an seine Leser.

 

Dieser Aufsatz hat eine sonst unübliche Länge. Nehmt Euch aber bitte die Zeit und lest  diese Seiten mehrfach und bewusst durch.

 

Über  Fragen, Anregungen und sachliche Kritik freut sich wie immer Euer

 

Taubenfreund

 

eMail: hbtaubenwelt@gmx.de

 

Tel.: 02525 6422 nach 20 Uhr.

 

PS

 

In den nächsten  „Gedanken zur (Tauben-) Zeit geht es dann um die „welligen Handschwingen“. Keine Angst, dieser Aufsatz wird kurz und knapp sein – und eine einfache, sachgerechte Lösung an­bieten.

 

Bericht August 2017 

 

von Autor: Hubert Borgelt

 

 

Gedanken zur (Tauben-) Zeit

 

Zwischenruf

 

Liebe Taubenfreunde,

 

etwas unplanmäßig  meldet sich heute Euer Taubenfreund zu Wort. Eigentlich ist er in den Vorberei­tungen des Artikels, der Ende September/Anfang Oktober erscheinen soll. Die Arbeiten dazu sind doch sehr umfangreich und ich kann mich ich schon jetzt bei allen Zuchtfreunden bedanken, die mich vorbehaltlos unterstützt haben!

 

Nun zur Sache. In den letzten Tagen haben alle VDT-Mitglieder die zweite Auflage der „VDT-Nachrichten“ erhalten. Dazu erschien.die GZ Nr. 16/2017. Soweit so gut oder auch nicht.

Das bei solchen Publikationen neben sehr lesenswerten Aufsätzen auch solche sind, die zu 99 % aus „heißer Luft“ bestehen  liegt in der Natur der Sache, zumal dann wenn man den Autorenkreis immer weiter einengt.

Nun schadet „heiße Luft“ zu mindestens keinem Züchter und keiner Taube. Wenn dann aber in Be­richten absolute Falschinformationen  und kontraproduktive Ratschläge gegeben werden, so ist das bedenklich und bedarf – meines Erachtens  - der Korrektur.

 

Leider besteht für mich – weder bei der GZ noch beim VDT die Möglichkeit – helfend einzugrei­fen.

Als zu  kritisch  und zu persönlich in meinen Ausführungen  gelte ich, wie viele von Euch wissen, als „Ausgestoßener“ der sein Recht  auf freie Meinungsäußerungen verwirkt hat, weil er sich den hausgemachten Spielregeln von VDT, BDRG und GZ nicht unterwirft. 

 

So bin ich wieder sehr dankbar, das der VSR mir eine Plattform gibt, um Euch mit - wie ich meine -

sinnvollen Tipps zu versorgen.

 

Beide von mir gleich „beackerten“ Artikel stammen aus der Feder eines Autor, dessen Namen ich nicht nennen werde (Ihr wisst, die „persönliche Note“.

 

Gemeint sind die  Aufsätze zu den mausernden Tauben in der GZ und die Abhandlung über Tau­ben-Transportbehältnisse in den „VDT-Nachrichten.

 

Zu beiden Arbeiten wäre viel anzumerken. Ich beschränke mich aber nur auf die gravierendsten Punkte.

 

 

 

Kommen wir zu „Die Federn fliegen“, GZ 16/17

 

 

 

Der Autor schreibt durchaus Sinnvolles über die Ungeziefervermeidung und die Handhabung der  Bademöglichkeiten bei unseren  Tauben.

Vorher berichtet er, dass die den Tauben „sehr viel Energie für die Mauser“ brauchen“ und empfiehlt, um diesen Energiebedarf auch zu decken, die Fütterung von Mais.

Auf seine weiteren Ausführungen zur Wirkung von Mais auf bestimmte Farbenschläge will  ich hier nicht eingehen. Darüber ist meine Meinung bekannt und wer genaueres wissen möchte – bitte mailen.

 

 

 Mais, wertvoll, aber in richtiger Menge!

 

 

 

 

Doch zurück zum Mais. Ich bin ein großer Verfechter von Maisfütterung  für unsere Tauben. Aber nicht um eine vermeintliche „Energielücke“ während das Mauer zu schließen.

 

Denn Mais, der zwar einen super hohen Stärkegehalt hat, aber im Gesamt-Energieangebot zum Beispiel  von Milo noch übertroffen wird,  weißt einige  Nährstoff-Besonderheiten  auf  die bei der Berechnung einer Futterrezeptur unbedingt beachtet werden müssen. Wird ein sehr hoher  Anteil an Mais (+  15 %) ins Futter eingemischt und kommen dazu (was die Regel ist) noch über 20 % Hülsenfrüchte dazu – haben wir kein Mauserfutter, sondern ein „Mauserverhinderungsfutter!“ Denn das Wichtigste bei der Fütterung in der Mauser ist ein möglichst optimales Aminosäurenmuster, das in  einer „Standard-Mischungen“ - gleich welcher Firma - nie erreicht wird. Bei hohen Maisanteil ist dieses Muster aber, wie wir jetzt wissen, besonders „schräg!“

Im Übrigen wird die viele Energie die die Tauben in der Mauser brauchen zum größten Teil für  den Erhalt der Körpertemperatur verbraucht. Für die neuen Federn sind die eben schon genannten Aminosäuren, im richtigen Verhältnis zueinander, die essentielle  Grundlage für eine perfekte Ausbildung.

 

Dem wird in dem VDT-Fütterungskonzept auch voll  Rechnung getragen. Die Vitalmischungen mit Mais weisen einen  optimierten Teil dieser Futterkomponente auf. Ebenso sind Rohprotein- , Energiegehalt  und das Aminosäurenmuster unglaublich bedarfsnah aufeinander abgestimmt. So kommen wir im Vergleich mit einer herkömmlichen Futtermischung zu einer Futtereinsparung von 20 – 25 % und einer massiven Entlastung des Taubenstoffwechsels.

Immer wieder bin ich erstaunt, dass der Autor, der ja nun sehr  viel schreibt, nie das VDT-Versorgungskonzept erwähnt. Zumal er ja nun Amtsträger im VDT ist. In vielen der sogenannten   „Züchterproträs“ wird die Futtermarke die der porträtierte Zuchtfreund nutzt, genannt – nebst allen Zusatzmitteln. Also kann es kein „Verbot“ der GZ sein – oder?  Ein Schelm, der Böses dabei denkt...          

 

 

Kommen wir zum zweiten Thema:

 

Transportkisten  müssen rassegerecht sein“ VDT-Nachrichten 2/17 

 

Für diesen Aufsatz hat der Autor ein Fleißkärtchen“ verdient! Alleine schon die Fragebogenaktion zu projektieren, zu starten und auszuwerten  wird eine Menge zeit verschlungen haben.

 

Das da die Zeit eng wurde und so manche Peinlichkeit  gedruckt wurde kann ich verstehen. Anzunehmen ist auch nicht, das ein Spitzenzüchter seine Tauben ohne jeglichen Einstreu im „Korb“ transportiert.

 

Aus diesem Artikel seien jetzt nur zwei Punkte herausgegriffen, die m. E. eines helfenden Kommentars bedürfen.

 

 

So sollte es sein. Erst Wellpappe hinein, dann 1,5 cm Hobelspäne darauf - fertig! 

 

 

a) Zeitungspapier als Unterlage  des Transportkisten-Einstreu ist absolut kontraproduktiv. Diese sicher von den Züchtern gut gemeinte Handhabung macht das Ganze, auch bei üppiger Einstreu mit staubfreien Hobelspänen doch sehr „rutschig“. Wellpappe ist hier das Mittel der Wahl – und nichts anders! Darauf ca. 1,5 cm Hobelspäne.

In diesen Zusammenhang noch eine Anmerkung: Unsere Tauben müssen sich in ihrer Reisebox wohlfühlen. Sie brauchen eine gewisse Bewegungsfreiheit. Das letzte Wort führt uns zu

 

 

b) „Unter den Züchtern besteht mehr oder weniger Konsens, dass die Tauben bei der Fahrt immer quer zur Fahrtrichtung  gestellt werden sollten. Dann neigen sie sich bei Bremsmanövern zur Seite, sodass das Schwanzgefieder geschont wird.“

Allein schon die Formulierungen sein ein Meisterwerk. Darauf muss man erst mal kommen.    

 

Bei aller „Schönheit“ diese Aussagen sind falsch! Auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt etlichen verdienten Spitzenzüchtern auf die Füße trete, das was Ihr da macht ist nicht taubengerecht.

Kurze Erklärung: Tauben versuchen, dass haben eigene und die von Zuchtfreunden durchgeführte Versuche ergeben,  sich immer in Fahrtrichtung  zu drehen – auch bei geschlossenen Behältnissen, ohne die  heute schon zum Standard gewordenen Kisten oder Körbe mit einem durch Holzstäbe „ausbruchssicher“ gemachten „Guckfenstern“ an jedem Abteil.

 

Warum machen die Tauben das?

Ganz einfach, Ihre Anatomie lässt sie viel leichter Kräfte, die von  vorn  oder von hinten  auf sie einwirken ausgleichen, wie solche, die von der Seite kommen. So sind Tauben, die „querab“ stehen in einer andauernden Stresssituation. Zumal dann, wenn sie in engen Fächern keine Möglichkeit haben ihre missliche Lage zu verbessern.

 

Bleibt die Frage, warum die Tauben dann, wenn sie es sich aussuchen können, beim Transport immer in Fahrtrichtung schauen, wenn es ihnen denn ermöglichst wird? 

Ganz ehrlich so restlos kann ich das auch nicht erklären. Doch eine Vermutung, die doch schon sehr abgesichert ist, besteht darin, das es bei Tauben – wie auch beim Menschen - viele  Spezies gibt, die – wenn sie gegen die Fahrtrichtung reisen - erbrechen müssen.

 

Was gibt es noch? Ach ja, der Satz: „...darauf achten, dass die Kisten (beim Transport) fast waagerecht stehen“ Ist natürlich Unsinn. Es muss heißen: „möglichst waagerecht“. Ist aber genauso ein kleiner Witz am Rande  der Tauben-Zeitgeschichte wie der Umstand, dass der VDT immer noch in seinem Shop „Exquisite Sammelordner für „Die Rassetaube“  anbietet. Diese, wie auch SV-Broschüren in  diesem Format sind faktisch ausgestorben..

 

In der Hoffnung, dass ich einigen Zuchtfreunden mit meinen Zeilen helfen konnte und mir die Ersteller und Verantwortlichen für diese beiden Berichte nicht allzu böse sind – ich unterstelle immer, dass sie das Beste für unsere Tauben wollen -  grüßt Euch

 

Euer Taubenfreund

 

und freut sich auf Eure Fragen, Anregungen und sachliche Kritik

 

Email: hbtaubenwelt@gmx.de

 

Tel: 02525 6422 nach 19 Uhr

 

Bericht  Juli /August 2017 

 

von Autor: Hubert Borgelt

 

Zuchtende im Taubenschlag

 

 

 

Liebe Taubenfreunde,

 

 

 

ich weiß, ich weiß bei vielen von Euch komme ich mit diesen Zeilen zu spät! Eure Zuchtpaare sind längst getrennt. Manche Züchter machen ja heutzutage nur noch drei Bruten, halten dafür aber 20 Zuchtpaare einer Rasse und Farbe. Bei dieser Handlungsweise glauben diese Freunde dann auch noch ein repräsentatives Bild der Qualität ihres Taubenbestandes in der Jungtaubenschar ablesen zu können. Zudem ist dieses frühe Trennen für die Tauben widernatürlich und auf keinem Fall der Gesundheit förderlich!  Aber – hier   „verlaufe“  ich mich schon in ein ganz anderes Thema, dass uns später, vielleicht auch erst nach der VDT JHV (und wer weiß was dann ist?!?) beschäftigen soll, nämlich dass der  „Zuchtplanung“.   

 

 

 

Wann ist der optimale Zeitpunkt zur Trennung unserer Zuchtpaare?

 

 

Diesen Punkt relativ genau zu treffen, ist eigentlich gar nicht so schwer.  Ein wenig Kenntnis Tauben-Biologie und etwas Umsicht lassen es zur Spielerei werden. 

 

Jetzt, Ende Juli, Anfang August  haben unsere Zuchttauben  - wenn  gute Schlagbedingungen und taubengerechtes Futter  gegeben sind – noch 5 – 6 alte Handschwingen  zu mausern. Bei 6 Handschwingen kann durchaus noch ein Gelege gemacht werden. Hat aber die Täubin des betr. Paares nur noch 5 oder gar nur 4 alte Handschwingen „stehen“ so sollte man sie ruhig nochmal  Legen lassen, Das Gelege wird  aber sofort durch Kunsteier – die „alten“ aus etwas schwererem Material sind zu bevorzugen – ersetzt.

 

Hat man seine Zuchtpaare einigermaßen  „synchronisiert“ d. h. alle Täubinnen legen innerhalb 3 Tage, so lassen wir sie ca. 12 Tage brüten und trennen sie dann.  Ist das nicht der Fall, so lassen wir die Paare brüten, bis sie das Nest verlassen. Wenn das 1. Paar nicht mehr brütet, so ist es das Zeichen für uns, den Brutbetrieb für dieses Jahr abrupt zu beenden und alle Paare zu trennen.

 

 

 

Warum diese „Taktik“?   

 

 

 

1.)               Weil ein zu früheres Trennen  immer dazu führen wird, dass die alten Täubinnen schlicht weiter legen. Bedenken wir nun, dass eine 0,1 in ihrem Leben nur eine begrenzte Anzahl an Eiern hervorbringen kann, ist jedes  außerhalb der Zuchtperiode eine „verlorene“ Taube! Besonders bei  Rassen, die ihren jüngeren Ursprung in Afrika/Asien haben ist das fatal. Beginnen die Weibchen einmal wieder zu legen, so ist es sehr, sehr schwierig sie wieder zu stoppen. Nicht umsonst ich bei Züchtern dieser Tauben-Varianten oft das Klagelied zu hören: „Die legt nicht mehr, obwohl erst 2 Jahre alt!“ zu vernehmen. Das kann selbstverständlich auch andere Ursachen haben, aber in ca. 80 % der Fälle ist es das hier genannte Übel.

 

 

 

2.)                Sobald eine Taube die 5. Handschwinge voll vermausert hat, beginnt die „große Mauser“ bei dem Tier. Körper- und Schwanzfedern (das bekannte „Schwanzloch“ entsteht) werden in der Art abgestoßen und erneuert, dass man, wenn man morgens den Schlag betritt, annehmen könnte „Frau Holle war da!“ Mit anderen Worten, unsere Tauben sind in dem Stadium der Mauser schon so „stoffwechseltechnisch“ belastet, dass eine zusätzliche  Beanspruchung durch Aufzuchtaktivitäten nur kontraproduktiv sein kann.

 

 

 

3.)                Lässt man Zuchtpaare bis zu dem Zeitpunkt zusammen, wo rein vom biologischen Ablauf her die nächsten Eier gelegt werden würden, so werden diese auch gelegt – Trennung hin oder her! Und wieder 2 Tauben verloren – Ihr wisst jetzt was ich meine!

 

 

 

Nach der Trennung –

 

nein nicht zum Scheidungsanwalt – nur sollte der Züchter seinen Liebling jetzt noch aktiver beobachten!

 

 

 

Warum?

 

Hier die Antwort:

 

 

 

In der Regel kommen die Alttäubinnen zusammen mit den Jungweibchen und der Nachzucht, bei der sich das Geschlecht noch nicht deutlich zeigt, in ein Schlagabteil. Dagegen ist auch nichts einzuwenden.

 

Nur eins können wir dann leider nicht: Die Alttäubinnen ca. 14 Tage zwar vollwertig – (auf keinen Fall das VDT-VITAL 1 oder 2 mit irgendetwas „Tollem“ strecken) – aber äußerst  knapp füttern. Mit dieser knappen Fütterung würden einem „Grundgesetz“ der Tierhaltung entsprechen, das da lautet: „Erhalt geht vor Reproduktion!“ Auf gut Deutsch: Den Tauben wird nur so viel an Nährstoffen zugeführt wie sie für ihren Grunderhalt und die Federneubildung benötigen – nicht aber zur Eibildung.

 

Bei der üblichen Haltung mit Jungtauben geht das natürlich nicht und der Züchter muss wie ein Luchs aufpassen, dass es im Alttäubinnen-/Jungtaubenabteil NICHT zu Paarbildungen kommt.

 

Wenn es dann passiert – je früher desto besser – nimmt man ein Teil des „Paares“ aus dem Schlag zu stellt es möglichst weit weg in einen Einzelkäfig. Damit der andere Teil des „Paares“ auf andere Gedanken kommt, gibt man für einen ½ Tag einen schon recht weit entwickelten Jungtäuber  in das Abteil der Damen.

 

Nach 2 Tagen kommt die separierte Täubin in den Schlag zurück und man nimmt für die gleiche Zeit das andere Teil des missliebigen Paares  aus dem Schlag. Das hat so zu geschehen, dass sich die beiden betr. Tauben nicht sehen und hören. Gleichzeitig setzt man für 2 – 3 Stunden wieder einen Täuber in das Weibchenabteil.

 

Nach 2 weiteren Tagen kann man dann die Täubinnen wieder vereinen ohne dass es zwischen diesen Tieren erneut zur Paarbildung kommt. Aber das nächste Damen-Paar wird kommen..... 

 

War man mal zu langsam und es kommt zur Eiablage, sollte man die Eier nicht wegnehmen, sondern die beiden 0,1 schlicht brüten lassen. Sie bauen ja in der Regel ein feines Nest aus Federn in einer Schlagecke. Bei Paarbildung unter Jungtäubinnen verfahren wir genauso. Haben sie ausgebrütet, so verfahren wir wie oben beschrieben.

 

 

 

Die Mär  vom „frischen Weizen!“

 

 

 

Wie eben kurz angerissen, ist die Fütterung in der Zeit des Zuchtendes und der beginnenden großen Mauser von ausschlaggebender Bedeutung für die Entwicklung unserer Tauben.

 

 

 

Merksatz: „Versorgen wir unsere Tauben nicht mit allen lebenswichtigen  Nährstoffen, so werden sie nie das in ihrem Erscheinungsbild zeigen, was sie nach ihren genetischen Möglichkeiten könnten. Dies trifft im Besonderen auf die Versorgung mit den essenziellen Aminosäuren zu. Mit den VDT-VITAL-Sorten sind die Tauben und ihre Herren- und Meisterinnen auf der sicheren Seite.

 

 

 

Ich mache hier keine Werbung für das VDT-Futter. Ich stelle hier nur Tatsachen fest. Ich MUSS auch keine Werbung für dieses Futterkonzept machen, wie es  (es klang schon fast bedauernd) der 2. VDT-Vorsitzende für seinen Verband  im Netz äußerte. Denn ich habe keinen Vertrag mit BETZ – MIFUMA  oder sonst Jemanden.  Ich habe nur einen Vertrag mit unseren Tauben, der beinhaltet, dass ich es immer wieder versuchen werde, ihnen die bestmögliche Versorgung zu ermöglichen. Dabei weiß ich genau, dass ich da gegen Windmühlen antrete, oder anders ausgedrückt: „Gegen Aberglauben und Halbwissen!“  Womit wir beim „frischen Weizen“ wären.

 

 

 

Dieser gilt schon seit ewigen (Taubenzüchter-)Zeiten als „Mauser förderlich. Was ist dran? Nix! 

 

Aber die Tauben Mausern doch so toll, wenn wir ihnen den frischen Weizen geben! Da MUSS doch was dran  sein?

 

Nein, eben nicht, der Weizen wird in unseren Breitengraden halt zu dem Zeitpunkt reif, in denen unsere Tauben in die große Mauser kommen!  Das ist die schlichte Wahrheit – und frischer Weizen hat nun mal nicht ein Mehr an Aminosäuren! Auch das kann man nicht wegdiskutieren. Und ist der Weizen noch sehr frisch und man gibt einen Anteil von über 40 % davon, bekommen unsere Tauben als Dreingabe noch Durchfall dazu.  

 

Auffällig ist auch, dass man immer wieder von diesen “Weizenfüttern“  hört, dass ihre Tauben auf mal nicht mehr weiter mausern. „Die Steuerfedermauser stockt!“ Das hört man dann einige Wochen später.  Geschoben wird diese missliche Lage dann auf „irgendeine Impfung“ die irrsinniger Weise in der Hauptmauser durchgeführt wurde. Freunde, macht so etwas nie!  Lassen wir`s gut sein.

 

 

Zum Abschluss  noch ein preiswerter, einfacher Tipp um Euren Tauben etwas Gutes zu tun. Genauso wie ein Bad im Regen „positives Doping“  für unsere Tauben ist,  so gilt das auch für das jetzt überall greifbare frische Stroh. Davon einige Handvoll in den Zuchtschlag gelegt – und ihr werdet sehen wie Eure Tauben sich mit Wonne auf dieses Nistmaterial stürzen um es ins Nest bez. in die Nistzelle zutragen. Bevorzugt wird Gersten- und Haferstroh genommen. Aber alles andere geht auch.

 

Selbst unsere völlig „baufaulen“ Tauben, im Freiflug gehalten und somit Zugang habend zu allem möglichen Nistmaterial habend (es aber verschmähen!), werden bei frischem, trockenen Stroh zu wahren Baumeistern. 

 

 

 

Soviel zum Zuchtende. Vielleicht war das eine oder andere Neue für Euch dabei. Es würde mich freuen. Freuen würde ich mich aber auch wieder, wenn diese Zeilen einen ebenso großen Widerhall erfahren würden, wie der letzte Aufsatz. Das hat mich darin bestärkt, dass Taubenzüchter doch noch gern neue Infos aufnehmen und auch diskussionsbereit sind. 

 

Deshalb Fragen, Wünsche, sachliche Kritik wie immer unter:

 

 

 

hbtaubenwelt@gmx.de

 

 

 

Tel.: 02525 6422 ab 20 Uhr

 

 

 

Eine gute, harmonische Zeit wünscht Euch wie immer

 

 

 

Euer Taubenfreund

 

 

 

 

 

PS Wäre es für Euch interessant, wenn Ihr an Euren voll vermauserten  Tauben erkennen könntet, ob sie  einen störungsfreien  Weg zum Erwachsensein hatten, respt. perfekt durch die Mauser gekommen sind?  

Bericht  Juni/Juli 2017 

 

von Autor: Hubert Borgelt

 

Mineralstoffversorgung unserer Tauben

 

Unentbehrlich – nicht einfach  - kann zur Krankheitsfalle werden

 

Liebe Taubenfreunde,

 

heute wenden wir uns einem Thema zu, dass für eine erfolgreiche und  taubengerechte  Zucht und Haltung unserer Liebling von extremer Wichtigkeit ist. Aber – kaum ein Züchter hat zu diesem Fragenkomplex tiefer gehendes Wissen.

 

Keine Angst, liebe Leser -  jetzt kommt kein „Fachchinesisch“ eines Menschen, der sich seit Jahr­zehnten mit diesem Thema befasst. Vielmehr versucht der Taubenfreund hier,  nach kurzen einfüh­renden Worten zu jedem Mineralstoffträger einfache, leicht nachvollziehbare Tipps zur für die tägliche Taubenversorgung zu gegeben.  

 

Gleich zu Beginn möchte ich aber auf  zwei Handlungsweisen, resp. Zustände hinweisen, die wir NIEMALS tun/dulden dürfen

1.)               Mengenelemente wie Calcium, Phosphor, Magnesium, Natrium usw. dürfen wir nie „an das Futter“ binden und so unsere Pfleglinge  zwingen Mengen von diesen Stoffen aufzunehmen, die sie gar nicht brauchen.

 

Der Bedarf an Mengenelementen ist bei den Tauben so unterschiedlich (je nach Nest- bzw. Mauserstand), dass nur ein ständiges Anbieten in kleinen Mengen  - in Holzgefäßen,  die die Futtermittel nicht so schnell verklammen lassen  der Weg zum Erfolg ist. 

2.)               Mineralstoffmaterial, gleich ob Stein, Grit oder Mineralstoffgemisch  müssen alle  2 Tage erneuert werden. Oder auch schon eher, wenn sie schon durch das Anziehen von Feuchtigkeit zu einer nicht mehr rieselfähigen Masse geworden sind. Im Zweifelsfall immer „entsorgen!“ Damit hier nicht zu viel an Werten verfällt hier ein kleiner Anhaltspunkt, was man den Tauben pro Tag ca. zur Verfügung stellen sollte:  Bei einem Bestand von 9 Zuchtpaaren im Schlagabteil, die alle voll im Brutgeschäft sind – also mit Jungen „an den Schnäbeln,“  rechnen wir 2 Esslöffel Taubenstein, 1 Esslöffel Grit und wenn man es denn überhaupt füttert, 1 Teelöffel Mineralstoffgemisch. Auf dieser Basis kann man sich in kurzer Zeit sehr gut an die richtige Menge für seine Tauben herantasten. 

 

Es gibt auch Züchter, meist mit recht großen Beständen, die ca. ½ der eben angegebenen Menge (das Pulvergemisch bleibt da außen vor!) mit der Morgenmahlzeit des Körnerfutters vermischen. Abends, wird dann je nach dem, was übrig bleibt, noch etwas nachgegeben oder nur die  normale Körnerfütterung durchgeführt. Auch keine schlechte Lösung – findet der Taubenfreund!

 

Um es nochmals zu sagen: Feuchtes Mineralfutter, zieht Krankheitserreger magisch an und bildet zusammen mit dem dann auch feuchten Schlagstaub, der sich kaum fernhalten lässt, einen optimalen Nährboden für den baldigen Krankheitsausbruch bei unseren Lieblingen. Darum bitte beachten:

  

Neben der Tränke ist „der Grit Kasten“ DIE Ansteckungsquelle für unsere Tauben!!!         

  

Neben dem Körnerfutter sorgen in der Hauptsache  3 Mineralstoff beherbergende Futtermittel für  eine optimale Versorgung unserer Tauben mit Mengen- & Spurenelementen

 

Von diesen Elementen braucht 1 Taube am Tag nur eine verschwindend geringe Menge, so dass der oberflächliche Züchter   denken könnte: „ Das Bisschen – was soll es schon ausmachen wenn ich es meinen Tauben nicht gebe?“ Eine menschlich verständliche Einstellung, aber grundlegend falsch! Fehlt dieses „Bisschen“ kann  es nicht nur schlimme Folgen für unsere Tauben bringen  - nein die Katastrophe bricht über den Bestand herein. Niedrige Vermehrungsrate, krankheitsanfällige Tauben - so sieht es dann aus!

  

Kommen wir nun zu den für den Züchter greifbaren  Mineralstoff-Quellen.

  

Da hätten wir als Erstes den Taubenstein. Auch Taubenkuchen oder einfach  „Pickstein“ genannt. Die Besonderheit dieser Mineralquelle ist die Lehmerde, die in ihm verarbeitet ist, bzw. verarbeitet  sein sollte. Denn vielfach finden wir in den „handelsüblichen“ Taubenkuchen eher lehmige Sanderde, anstatt wertvollem Lehm, der nur an ganz wenigen Stellen unserer Republik die Qualität hat, die wir uns wünschen.

 

Weiter muss der Stein einen möglichst hohen Calciumgehalt haben. Er sollte deutlich über 20 %  liegen.  Dabei ist es aber außerordentlich wichtig, dass der Calcium-Anteil aus biologisch verschiedenen Bestandteilen besteht, die sich  im Taubenkörper unterschiedlich schnell abbauen. Sonst haben wir schnell ein Überangebot an C., aber genauso schnell auch wieder einen Mangel. Das ist besonders für die Täubinnen in der Zuchtzeit eine Zumutung, die wir tunlichst vermeiden sollten.

 

Dass  „Taubensteine“ verschiedener Firmen oft  sehr ähnlich in ihrer „Komposition“  daherkommen  liegt schlicht und einfach an der Tatsache, dass ein riesengroßer Teil der auf dem Markt befindlichen Taubenkuchen von ein und demselben Produzenten stammen.

 

Dass eben geschriebene gibt auch im vollen Umfang für den Grit, mit dem wir uns gleich befassen.

  

Weiter sollte ein perfekter Taubenstein möglichst wenig Phosphor (P) beinhalten. Mit P werden die Tauben schon durch ihr Hauptnahrungsmittel, den „Körnern“ recht gut versorgt. Perfektioniert wird die P-Versorgung durch das Phosphor, das an die Bestandteile des Taubenkuchens gebunden ist. Dieses ist zudem hoch verfügbar und rundet die P-Ausstattung der Gesamtration ab. Allerdings sollte der P-Gehalt im Taubenstein nicht über 1 %  liegen.

 

Zwei weitere wichtige Komponenten sind Magnesium (Mg) und Jod. Beide in der richtigen und hochverfügbaren Dosis im Taubenkuchen enthalten sind ein weiter Baustein zur Fitness unseres Schwarms!

 

Der Natriumgehalt, oft ein Streitpunkt unter den Züchtern, sollte sachgemäßer Weise zwischen 0,5 und 1,5 % liegen. Höhere Werte, die nur die Aufnahme des Kuchens führen sollen, sind abzulehnen. Der Züchter, der ganz auf „Nummer-Sicher gehen will, kann in einem kleinen Holztrog  den Tauben jodiertes Kochsalz  at libitum anbieten. Die Aufnahme wird überraschend gering sein. Vorausgesetzt wir stellen unseren Tauben einen topp Taubenstein zur freien Verfügung! 

 

Und jetzt beginnt die Passage, die mir sicherlich Ärger einbringen wird, resp. viele Züchter und sonstige Menschen, die mit Taubenernährung zu tun haben, missgestimmt machen.

 

 Doch wenn ich FÜR die TAUBEN & die ZÜCHTER etwas Sinnvolles tun will, sind folgende Infos unerlässlich:

 

Um die Jahrtausendwende herum, als der VDT mit der Fa. BETZ eine Partnerschaft einging und wir Züchter (Knopf, Mooren, Borgelt) den Markt an Taubenkuchen sondierten mussten wir ernüchtert feststellen, dass praktisch NCIHTS brauchbares vorhanden war. Lediglich eine Firma in der Nähe des Teutoburger Waldes kam in die den Bereich  unserer Vorstellungen.

 

Mit dieser, der Fa. Neumann, nahmen wir Kontakt auf. Nach längeren Verhandlungen waren die „Neumänner“  bereit Taubensteine nach unseren Vorstellungen zu „backen“. Die richtigen Komponenten waren zum größten Teil vorhanden. Den letzten Schliff bekam das Ganze durch zähe (Preis-)Verhandlungen mit einem Lieferanten aus den Niederlanden.  

 

Die – zuerst in einigen Schlägen - „probe gefütterte“ völlig  neue und ungewöhnliche  Taubenstein-Kreation zeitigte einen durchschlagenden Erfolg! Der Stein war also ab sofort als super marktfähig einzustufen. Die weiteren  Rückmeldungen aus der Züchterschaft waren exzellent.

 

Umso größer war unser Bedauern, dass die F. Neumann - aus  schwerwiegenden Krankheitsgründen - die Steine nicht mehr produzieren konnte.

 

Es war auch kein anderer Hersteller Willens und in der Lage unsere hohen Ansprüche zu erfüllen. So kam es, das heute die VDT-BETZ-Power-Taubensteine, die ich für die einzigen halte, die in höchsten Maße den Ansprüchen unserer Tauben genügen, in Wallerfangen, dem Sitz der Fa. BETZ hergestellt werden. Dies alles geschieht unter den „Adleraugen“ und der Sachkenntnis von Norbert Betz, der nicht nur einer der letzten ehrlichen Kaufleute auf diesen Ebenen ist, sondern auch ein „Macher! Norbert Betz brachte auch das Kunststück fertig, Lehmerde zu besorgen, die unseren hochgeschraubten Ansprüchen genügt. Ein Meisterstück des jetzigen „Teilzeitrentners“...

 

So können wir heute einen VDT-BETZ-Taubenstein anbieten, der mit seinen Inhaltsstoffen von:

 

Calcium:        23,00 % 

Magnesium:    2,00  % 

Natrium:          0,60  % 

     Jodid                8,40 mg/kg 

Die Inhaltsstoffe unterliegen den bei Naturprodukten üblichen Schwankungen. 

Liebe Taubenfreunde, vergleichen einmal diese Werte mit anderen Produkten. 

Angeboten wird  der VDT-BETZ-Power-Stein in einer 12er Kleinpackung und in der vorteilhaften 36er Packung. Letzterer ist zusammenklappbar und  kann als Taubentransportkarton, der nur noch mit Wellpappe ausgelegt werden muss, sinnvoll weiter verwertet werden. Es ist eben an Alles gedacht.   

 

Auch vom Preis- Leitungsverhältnis her  ist dieser Stein unschlagbar. Während bei den erwähnten „Sand-Lehm-Steinen“ der überwiegende Teil  auf dem Schlagboden sein unrühmliches Ende findet, werden vom VDT-Kuchen rund 90 % aufgenommen. Probiert es auch Ihr werdet begeistert sein!        

 

Aber merke: Nicht der Taubenstein, der von den Tauben am Gierigsten gefressen, resp. verstreut wird, ist der Beste, sondern der, der Eure Tauben mit dem versorgt, was sie wirklich brauchen. 

  

Jetzt werden sicher manche Leser einwerfen: „Was ist nicht Grit - wo doch im Taubenstein schon alles drin ist?“ Richtig, der Lehm.  Womit wir dann bei der 2. Mineralstoffquelle für unsere Tauben sind,

  

dem Taubengrit  

vordergründig ein richtiger Gedankengang. Doch in der Taubenfütterung muss man in verwinkelten Zusammenhängen denken. In diesem, Fall  hilft aber schon klares und logisches Überlegen weiter:         Was ist im Grit, was nicht im Taubenstein ist?? Richtig, der Lehm.  Also ist es bei der Aufnahme von Taubenkuchen für unsere Tauben nicht möglich, Mineralstoffe OHNE Beimengung von Lehmerde aufzunehmen. Doch sie haben dieses Bedürfnis! Besonders hoch ist dieses während „Junge am Schnabel sind“ und in der Winterzeit, wo der „Kuchen-Hunger“ (im Gegensatz zu uns Menschen) rapide abnimmt.  

 

Beim Taubengritt, bot sich, wie schon berichtet, das gleiche desolate Bild an wie beim Taubenkuchen. Deshalb auch hier eine völlige Neuschöpfung, bei der peinlichst genau auf die Abbaubarkeit der einzelnen Calcium-Quellen geachtet wurde.

 

Weiter haben wir, nach langem suchen und probieren, einen immens hohen und für die Tauben überaus segensreichen Anteil an Jod in diesem Grit realisieren können. Segensreich deshalb, weil wir in der bedarfsgerechten Fütterung von Gefiederten heutzutage sehr häufig mit Jodmangel zu tun haben, der in seiner Gefährlichkeit keineswegs zu unterschätzen ist.

(Das im BETZ/Mifuma-Rassetauben-Prospekt von einem „geringerem Jodgehalt beim Grit geschrieben wird, zählt zu den Treppenwitzen der Taubenfütterungs-Geschichte.)  

 

Der sehr geringe, aber doch wichtige  Anteil an Rotstein und Tierkohle hilft den Tauben, sollten sie mal eine kleine Unpässlichkeit im Magen- oder Darmbereich haben, durch verstärkte  Aufnahme dieser beiden Zutaten, die aufgrund ihrer  großen Oberfläche quasi als „Staubsauger“ dienen   

schnell Abhilfe zu schaffen.  Wichtig dabei ist wiederum: Die Tauben entscheiden was sie brauchen, nicht der Züchter! 

Erwähnen möchte ich an dieser Stelle noch, dass im VDT-Grit, wie auch im Taubenkuchen, selbstverständlich optimal von der Natur „designte" säurebeständige Magensteinchen enthalten sind.   

Hier die  wert bestimmenden Inhaltsstoffe vom VDT-BETZ-Taubengritt:

 

Calcium:         28,00 % 

Phosphor:          0,03 % 

Magnesium        2.2  % 

Natrium:             0,3  % 

    Jod:                    1,4 mg/kg 

Auch hier gelten wieder die für Naturprodukte üblichen Schwankungen.

  

Als 3.   möchte ich hier noch die sogenannten „standardisierten“ Mineralstoff-Pulver“ erwähnen, die sehr oft in der Fachliteratur Erwähnung finden. Besonders Dr. Vogel, er schrieb etliche Bücher über Rasse- & Brieftauben, favorisierte diese Versorgungsmöglichkeit.  Der Taubenfreund ist keineswegs ein „Freund“ dieses Pulvers. 

1.) Gibt es wenig sinnvoll zusammengesetzte Mineralstoff-Gemische, 2.) Haben wir durch POWER-Stein- & Grit schon alles abgedeckt. 3.) Sind diese Produkte unglaublich anfällig für Feuchtigkeit. 

Will ein Züchter dennoch nicht darauf verzichten so können die Produkte von Natural = „Vitamineral“ und Backs = VI-SPU-MIN noch am Ehesten angeraten werden. Mehr aber auch nicht. 

Ganz schlimm sind die „Pulver“ auf die sich die Tauben geradezu stürzen „als wenn es kein Morgen mehr geben würde,“  Diese Produkte enthalten  Stoffe, die in kleinsten Mengen zwar für die Tauben nicht schädlich sind, aber durch ihre „Suchtwirkung“ (ich weiß nicht wissenschaftlich korrekt!) zu einer Aufnahmemenge verführen, die keineswegs mehr unbedenklich ist. Also Finger weg!

 

Die Werte, die den VDT-BETZ-Produkten zugrunde liegen, wurden  zuerst aus der auf diesem Gebiet sehr fortschrittlichen   Wirtschaftsgeflügelhaltung adaptiert  und dann durch jahrelange, hochinteressante Versuche „tauben-spezifisch“ gemacht. Eine mühsame, doch im Ergebnis sehr befriedigende Arbeit, die allen Beteiligten  viel Nerven, Zeit und Geld gekostet hat. Doch keiner möchte diese Erfahrungen heute missen.   

  

Fast zum Schluss möchte ich einen sehr bekannten und erfolgreichen Rassetaubenzüchter (u. A. „Siegerring-Gewinner) sinngemäß zitieren: „Wenn, aus welchem Grund auch immer, es das VDT-BETZ-Futter nicht mehr geben sollte, so wäre das für mich und für viele andere Zuchtfreunde  eine Katastrophe! Aber wenn es  den VDT-BETZ-POWER-STEIN & POWER GRIT nicht mehr geben sollte, so wäre das der Super Gau. 

  

Den krönenden Abschluss meines Berichtes soll -  wie es ihr zusteht - die Mutter Natur bilden. 

  

Zwei der besten Mineralstoffträger kommen nämlich aus ihr!  Das ist zuerst einmal die allseits bekannte Erde „aus dem Maulwurfshaufen“  täglich eine kleine Menge in ein Holzbehältnis – und die Freude bei Euren Tauben ist groß!  Wo es keine Maulwürfe gibt, kann man auch ein Stück Rasen (Grassode) ausstechen und sie mit der „Erdseite nach oben in die Voliere geben. Der Dank Eurer Tauben ist Euch gewiss... 

Allgemein bekannt ist auch, dass wir unsere Tauben  auch mit allerlei Grün füttern können. Doch immer noch zu Wenige tun es!  

Das „Schwierige“ an der ganzen Sache ist eigentlich,  wie man die Tauben an die Grünfütterung heranführt. Einfach nur „hinwerfen“ führt nicht oft zu erwünschten Erfolg.

 

Der Taubenfreund möchte hier nur  4  Möglichkeiten aufzeigen, die erfolgversprechend sind:

 

1.)               Wir schneiden das Grün mit dem Messer sehr klein und mischen es unter das Körnerfutter. Die Tauben sollten dazu aber sehr  hungrig sein. 

2.)               Eine Rattenfalle, an der Wand befestigt, dient als „Grünzeug-Halter“ Die Tauben werden sehr bald beginnen, daran herum zu picken.  Bestens geeignet hierfür ist die Vogelmiere. 

3.)               Eine Futterraufe, wie wir sie aus der Stallhasenhaltung kennen, dient als Grünfutterlager. 

4.)               Viele verschiedene gesunde Sachen für unsere Tauben – aufzählen brauche ich sie HIER nicht mehr, denn über nichts Anders wurde in den letzten Jahren so ausführlich in der Fachpresse berichtet (danach dürfte es nur noch topfitte Tauben geben!?!) werden per Mixer zu Brei zerkleinert oder noch besser mit einem  „Smoothie_Maker“ (in vielen Haushalten stehen diese Dinger eh nur nutzlos herum, oder sind heute günstig zu erwerben) verflüssigt. Diese – nun wirklich „gesunde Suppe wird mit dem Taubenfutter vermischt (1 Esslöffel auf 1 kg Futter) und mit Bierhefe abgebunden. Wie schon erwähnt, bitte keinen Kalk verwenden. 

Liebe Leser, liebe Freunde der Taubenzucht, das war`s nun zur Mineralstoff-Versorgung unserer Tauben. Die spezielle Wirkung der vielen Wirkstoffe und deren Zusammenarbeit im Taubenkörper habe ich absichtlich außen vor gelassen. Es wäre nicht mehr „leserfreundlich“ gewesen. Wer dazu Genaues wissen will, einfach mailen.  Viele Dinge konnten auch nur „kurz angerissen werden“ andere wiederum fielen dem hier vor gegebenen Rahmen zum Opfer. Dem Einen war es sicher zu lang dem Anderen fehlte Dieses oder Jenes. Egal wie, die Kontaktdaten des Taubenfreundes sind bekannt und Fragen, Meinungen und Anregungen immer erwünscht. 

  

Machen auch wir hier eine kleine Vorschau:

  

Der nächste Tipp wird sich mit dem Zuchtende befassen.

 

Danach erlaubt  sich der Taubenfreund einige Gedanken zu einem Thema, das Jahrzehnte äußerst kontrovers diskutiert wird, ohne aber eine befriedigende Lösung zu finden.

  

Bis dahin wünscht Euch Euer Taubenfreund eine gute Zeit.

Liebe Freunde der Taubenzucht,

 

„Der Taubenfreund“ der hier am PC sitzt, ist keineswegs glücklich darüber, wie die Entwicklung seiner „Tipp`s der Woche auf VDT-Online verlief und schließlich abrupt enden musste – wenn man sich noch ein kleines Stück Selbstachtung bewahren wollte.

 

Damit sich jeder Züchter ein Bild machen kann, was da der Zensur anheim fiel, könnt Ihr, verehrte  Leser  weiter unten selbst betrachten und bewerten. So ist dann aber auch gar  nichts mehr spekula­tives an der Sache dran.

Selbstverständlich kann mir  jeder Zuchtfreund seine Einschätzung zu meiner Antwort auf die „F1“ Kommentare der Zfrnde. Huber, Gangkofner  und Kötter mitteilen. Auf Wunsch wird diese Mei­nungsäußerung, ggf. mit einem Kommentar versehen, hier auf der VSR-Seite online gestellt.     

Voraussetzung ist natürlich, das keine Beleidigungen oder sonstige Rechtsverstöße im Text vorhan­den sind

 

Dass man Sätze wie den letzten überhaupt niederschreiben muss ist schon traurig genug – aber leider notwendig.  Dieses ist für mich ebenso bedrückend, wie die Reaktionen auf das Ende des „Tipp´s der Woche“. Zwar könnte ich mich über soviel Zuspruch freuen, doch zeigte sich damit die doch sehr große Unzufriedenheit mit dem „neuen VDT“.  Ein noch negativeres Zeichen ist für mich, dass viele Zuchtfreunde sich nicht trauen, ihren Unmut auf der VDT-Seite zu artikulieren. Andere wie­derum weigern sich mit der neuen Mannschaft überhaupt zu kommunizieren. Wieder andere sagten mir, das ihre Beiträge auch „weg rationalisiert“ wurden. Was nun alles stimmt oder auch nicht, wird für mich immer unbekannt bleiben. Nur – allein, das nicht mehr „miteinander sprechen wollen“ ist für mich ein schlimmes Alarmzeichen.

 

 Alle Beteiligten sollten mal in sich gehen um zu überdenken, ob denn der jetzige Zustand  „VDT - Züchterschaft“  der  Rassetaubenzucht  förderlich ist. Denn nur drauf kommt es an. Dazu gehört unauflöslich, dass alle Beteiligten  Freude bei ihrem Tun haben. Im Klartext: Mit Freude Tauben züchten – dies NICHT als „Belastung“ ansehen. Dann stimmt irgendwas nicht! Mit Freude Versammlungen und Ausstellungen besuchen – um dort Neues zu erfahren, Freunde zutreffen und sich an den ausgestellten Tauben zu erfreuen. Aber an allen, nicht nur an den eigenen! Gehen wir so an die Dinge heran, werden wir den höchst möglichen Gewinn aus unserer doch so wunderbaren Freizeitbeschäftigung erzielen. Damit ist nicht der „Gewinn“ gemeint, der sich in der Geldbörse niederschlägt sondern die innere Ausgeglichenheit, das Abstand gewinnen von alltäglichen Stress des Berufslebens usw.! Kurz gesagt: einfach glücklich sein...

 

So, damit das Ganze nicht zu lang wird, möchte ich mich an dieser Stelle bei den Mitgliedern des VSR bedanken, die mir nicht nur – in Person Ihres 1. Vors. Karl Degel – angeboten haben, auf ihrer Homepage weiter Hinweise und Gedanken zur Taubenzucht  online zu stellen, sondern dies auch durch einen einstimmiges Versammlung-Votum bekräftigt haben. 

 

Dank gilt aber auch den vielen anderen OV & SV`s die mir Gleiches  angetragen haben und nicht zuletzt der „Facebook-Gruppe“ die dem „Taubenfreund“ eine neue Heimstatt angeboten haben. 

 

Die Wahl fiel auf die Vereinigung  Südwestdeutscher Rassetaubenzüchter, weil  dieser Verein sich schlicht als Erster gemeldet hat.

 

Also, nochmals Dank an Alle, die mich nach dem wenig glücklichen  Ende des  „Tipp`s der Woche“ unterstützt und motiviert haben.

 

Eigentlich halte ich überhaupt nichts davon, das Personen in unserer Sache so wichtige Rolle spielen. Entscheidet ist für mich nur was sie tun oder auch nicht. Auch aus diesem Grunde habe ich für meine Tipp`s das Pseudonym „Der Taubenfreund“ gewählt.  Da der VDT dieses aber nicht gewahrt hat, hier ein kurzer Steckbrief des „Taubenfreundes“:

Name: Hubert Borgelt,

Alter: 65 Jahre

davon 54 Jahre Rassetaubenzüchter

Beruf: Futtermittelberater für Nutztiere

Zusammen mit meinen  Zuchtfreunden Gerhard Knopf & Christoph Mooren ehrenamtlicher Entwickler des VDT-Taubenfütterungs-Konzept.

Bis 2008 Mitglied im VDT. Kein Mitglied im BDRG 

Seit 1999 nur noch „passiver“ Rassetaubenzüchter, da mir meine körperliche Verfassung keine eigenständige Taubenzucht mehr gestattet. Durch meine Familie aber immer noch eng in der Rassetaubenzcht eingebunden.   

 

Wohnort: Neubeckum, im schönen Münsterland

Telefon: 02525  6422 ab 20 Uhr

eMail-Adresse: hbtaubenwelt@gmx.de

 

Liebe Taubenfreunde, demnächst – ca. ein bis zweimal im Monat - werdet Ihr von mir an dieser Stelle unter der Rubrik: „Gedanken zur (Tauben-) Zeit“ Tipps, Hinweise und Überlegungen zu unsere gemeinsamen Leidenschaft, der Zucht- & Haltung von Rasse- und Hochflugtauben lesen.

Diese Aktion ist erst mal bis zur JHV des VDT in Leipzig begrenzt.  

 

Ganz ohne „Tipp“ will ich es dann heute doch nicht belassen, wenn auch nichts Neues...  

 

Stichwort Tränke. Aus gegebenen Anlass, sprich heiße Witterung und erneute Werbeverstärkung der „Mittelchen-Verkäufer, möchte ich Euch bitten:

Gebt Euren Tauben gerade jetzt, wenn das Thermometer  deutlich über 25 Grad anzeigt, zu jeder Mahlzeit   frisches, klares  Wasser  OHNE jegliche Zusätze. Nur dann ist gewährleistet, dass Eure Tauben auch die optimale Menge an  Flüssigkeit aufnehmen. Jeder Tropfen zu wenig kann schon zum Fiasko für Eure Tauben werden.

Und -  wenn auch schon hunderte Male geschrieben: Jedweder saure Tränkezusatz vermindert die Wasseraufnahme der Tauben.

Der Trichomonaden-Seuche könnt Ihr  effizient  dadurch vorbeugen, dass Ihr das Wasser aus sauberen Tränken – am besten sind Glastränken, die sich leicht unter Verwendung von Zahnprothesen-Reinigern („3 Kukident in den Tränke-Dom- 2 in das Unterteil, ½ Stunde einwirken lassen – ausspülen und fertig) sauber halten lassen.

Empfehlenswert sind auch noch Plastiktränken der Fa. Stükerjürgen (im Fachhandel erhältlich), die mit einer extrem harten Oberflächen-Beschichtung versehen ist.

Alle anderen Tränkemodelle haben mehr oder weniger krasse Schwachstellen.

 

Taubentränken NACH der Reinigung durch die Sonne austrocknen zu lassen ist sicher sinnvoll. OHNE vorherige Säuberung jedoch sinnfrei!! Der aufmerksame Taubenzüchter hat ja ohnehin für jedes Schlagabteil 2 Tränke, so dann eine immer GESÄUBERT  „außer Betrieb“ ist!

 

Dass die Taubentränke an einem Ort im Schlag aufgestellt werden muss an dem sie möglichst lange vor Sonneneinstrahlung geschützt ist, sollte sich von selbst verstehen.

Das war es für heute.

 

Eine gute Zeit wünscht Euch Euer Taubenfreund, der natürlich  auf eine möglichst große Resonanz seiner Ausführungen hofft. 

 

 

Antwort vom Taubenfreund zu den Kommentaren zum Artikel F1 

17./KW Rubrik „Tipp der Woche von den

Zfr. Huaba Sepp, Martin Gangkofner & Werner Kötter

 

 

 

Liebe Taubenfreunde,     

  

zuerst möchte ich mich mit den Zeilen von Zfr. Huaba Sepp befassen.

 Dieser Zuchtfreund  stellt alles in Frage, ohne wirkliche Alternativen aufzuzeigen.

Dazu gleich mehr.

  Zuerst muss ich einen schlimmen Fehler in meinem Aufsatz einräumen. Asche auf mein kahles Haupt!

   

In der Einleitung hätte der Satz „Ausnahme bilden natürlich Projekte zur Einführung einer neuen Farbe.“  Durch den Zusatz: „..und Hals- und Kopfstrukturen..“ ergänzt werden müssen.              Zwar hatte ich gedacht, (ewig irrt der Mensch, solange er denkt“) dass aus der ganzen Anlage des Textes glasklar sein würde, das es hier nur um die Erläuterung der Verbesserung des Gesamt-Typs geht. Nun gut, es war nicht so – jetzt dürfte es aber Jedem deutlich sein.

  

Ich hoffe, dass ich dem Sepp und den übrigen Interessierten  genüge tue, wenn ich hier nur auf seine Sätze, die mit dem „ABER“ beginnen oder daraus resultieren konkret antworte.

 

1.) Natürlich muss nicht richtig sein, „nur weil  Viele daran glauben oder festhalten...“  Dem stimme ich voll zu! Doch betrachten wir doch die Sachlage mal so wie sie ist.

 

Aus Jahrzehnte langer Beobachtung der Rassetaubenszene  und eigenen vielfältigen züchterischen Aktivitäten kann ich folgendes recht sicher behaupten: a) Haben wir eine Deut. Rassetaubenschau 30.000 mit Tauben, so werden wir  mindestens  10.000 Spezies  vorfinden, in deren Stammbaum in den letzten 10 Generationen wenigstens 1 x eine „Fremdrasse“ auftaucht. b) Aus dem Stehgreif her­aus könnte ich hier sofort an die 100 Fälle schildern, wie die Fremdrassen-Einkreuzung – und zwar ganz egal ob 0,1 oder 1,0 -  schnell und mit vertretbar großem Aufwand zur Verbesserung einer Zucht, wenn nicht sogar zu einem positiven Quantensprung in der Entwicklung einer ganzen Rasse  geführt hat.

 

Nur – wir sind hier bei „Tipp der Woche“ der den  Züchtern nur Gedankenanstöße vermitteln und sie vor leicht vermeidbaren  Fehlern schützen soll.

 

Weiter ist doch sonnenklar, dass wenn bei der eigenen Rasse ein anderen Farbenschlag den selbst gezüchteten qualitativ weit in den Schatten stellt, man zu diesem greift!  Aber auch für logische Selbst­verständlichkeiten ist der Tipp der Woche nicht geeignet!  

  

2.) Dass das einzukreuzende Tier in möglichst allen Rassemerkmalen Spitze sein muss, hat schon seine Richtigkeit. Es sei denn, man führt ein so abwegiges Beispiel wie den sehr geschätzten Franz. Kröpfer an. Kein Züchter, so hoffe ich wenigstens,  kommt heute noch auf die Idee einen „Franzo­sen“ einzukreuzen. Fragt mal die Elsterkröpfer-Züchter, die das vor langer Zeit mal gemacht haben. Sie haben im wahrsten Sinne des Wortes „geblutet.“ Von den „Norwich-Leuten“ ganz zu schweigen...! 

  

Es ist eh schon ein Trauerspiel, dass mir gestern Abend wieder mal so richtig  vor Augen geführt wurde: Beim Blättern durch eine „Brünner Aktuell“  Ausgabe (2014, dort  Seite 57) fiel mein Blick auf einen silbergeherzten Vogel der bei sehr gutem Kugelkropf, einem ausreichenden Brustbeinbo­gen und einen Unter-Schenkelverlauf zeigt, der jedem „Franzosen“ zur Ehre gereichen würde. Die­ses Bild  einfach nur vergrößert und ins „Franzosen-Journal“ gesetzt – Niemand würde anzweifeln dass es keine Taube dieser Rasse ist. Nein – es würde sogar als „große Verbesserung“ der Rasse ge­feiert, dessen  wäre ich mir sicher, wenn dieser Brünner einem anderen Farbenschlag angehören würde. Nur zur Erklärung: Bei den „Franzosen gibt es noch keine Silbergeherzten.

 

Darum meine bitte an die Züchter jedweder Rassen: Denkt bei allen züchterischen Bemühungen daran, das Rassen erst durch gewisse „Alleinstellungsmerkmale“ zu eigenständigen Varianten werden! Auch um diesem „Rassebrei“ vorzubeugen, wurde der F1 Artikel geschrieben.                  So liebe Leser verzeiht mir diese Abschweifung. Weiter geht`s!

  

3.) Das Thema 0,1 oder 1,0 habe ich schon weiter oben behandelt. Nur noch eine kurze Fußnote dazu: Nach der Brünner-HSS 2007 in Kaunitz führte ich mit dem lieben Sepp ein sehr langes Tele­fonat. Dabei ging es zwar hauptsächlich um die hohe Sterberate bei den Brünner Kröpfern im Herbst. Doch beiläufig klagte Sepp mir auch sein Leid, dass bei den Schlesischen Kröpfern  in „Blauschimmel“ die 0,1 schlicht zu klein seien. Nun ist Sepp ja im Zuchtausschuss dieses SV tätig. Um so erstaunlicher für mich, dass dann dieser Zustand (mit den kleinen Täubinnen) nach 10 Jahren immer noch nicht behoben ist. Und das mit einem solchen „Genetik-Globalplayer“  an entscheidender Stelle!   Aber vielleicht „mendeln“ die Züchter immer noch.                                                                                                                                         

  

4.) Der Einwand mit den „rezessiv vererbten“ Merkmalen ist sicher für die Erzüchtung resp. Ein­führung einer neuen Farbe und von Strukturen richtig. Aber wie oben gesagt, hier ging es einzig und allein um den TYP – sprich um Körperformen, Extremitäten und dergleichen . Da kommen wir mit den Rückpaarungen gut klar. Das es auch noch andere Zuchtwege gibt habe ich kurz aufgezeigt. Hunderte von Beispielen könnte man nennen, doch wem hilft man hier damit – kein Züchter würde es lesen denke ich!?!  Völlig zu­stimmen kann ich Zfr. Huaba darin, das es für jeden – ja wirklich jeden Züchter ein Gewinn ist, die Werke meines guten alten Freundes Axel Sell zu erwerben, sie zu lesen, sie zu begreifen und die ge­wonnenen Erkenntnisse in der Zucht  umzusetzen. Wenn diese Zeilen dafür sorgen, dass auch nur ein zusätzliches Buch von Axel gekauft und in der züchterischen Praxis seinen Wider­hall finden, hätte sich jeder hier getippte Buchstabe gelohnt.

 

Lieber Huaba Sepp – hier bei uns in Westfalen  würde man Dich „Huba Jupp“ rufen - ich hoffe, Deinen Ausführungen gerecht geworden zu sein.

                                                                                                                                                                                                Fast zum  Schluss meiner Antworten zu „F1“ - es folgen gleich noch einige Worte zum Kommentar des Zfr. Gangkofner -  noch wie versprochen zu Zfr. Kötter. Ja lieber Zucht­freund, es ist korrekt, von einer Fremdrasse zu sprechen. Hier will ich gar nicht auf „Gattungen & Arten“ eingehen. Vielmehr möchte ich es so veranschaulichen: Wenn Sie den Begriff „andere Ras­segruppe“ verwenden, was sagen Sie dann, wenn z. b. ein Brünner Kröpfer mit einem Norwichkröp­fer verpaart wird – beide gehören der Rassegruppe der Kröpfer an. Jetzt ist vielleicht der „Groschen gefallen“. Alles weitere ausholen kostet hier nur Leser..

  

Antwort zur Stellungnahme von Zfr. Gangkofner

  

Ja lieber Zfr. Gangkofner, ich hoffe Sie nehmen es mir nicht übel, dass ich Ihren Zeilen erst zum Schluss und auch nur kurz beantworte. Einerseits  Sie schreiben ja selbst, dass Sie den Zeilen von Sepp zu 100 % zustimmen. Zum Anderen ist meine Zeit am PC äußerst limitiert.

  

Darum möchte ich nur kurz zu Ihren „Ergänzungen“ Stellung nehmen.

  

Als erstes verlangen Sie (übrigens genau wie Zfr. Sepp) dass ich die verschiedenen Erbgänge erklären soll.  Dies ist schon so oft – ich möchte sagen bis zu „Erbrechen“ geschehen. Von der Sell-Literatur ganz zu schweigen. Würde ich dies auch wieder im „Tipp der Woche tun“ so würde uns Eins völlig fehlen: Das Interesse und die Aufmerksamkeit der Züchter.

  

Erschrocken hat mich Ihre Formulierung: ...bevor der Züchter überhaupt das Projekt Kreuzung von Farbenschlägen...angeht“  Lieber Zuchtfreund Gangkofner, ist denn die Entwicklung der letzten 25 Jahre in der Rassegeflügelzucht im D-Zug-Tempo an Ihnen vorbei gerauscht? Paarungen von unterschiedlichen Farbvarianten innerhalb einer Rasse sind heute eher die Regel wie die Ausnahme. Gut das Sie nicht noch den Satz „Züchtet rein und züchtet echt“ von Oettel zitiert haben.

  

Zum nicht guten Schluss möchte ich hier noch etwas aufzeigen, was „federnah“ mit der praktischen Rassetaubenzucht zu tun hat. 

  

Sie lieber Zuchtfreund Gangkofner sind ja auch Zuchtwart im SV der Z. Sächsischer Kröpfer und damit sicher auch federführend verantwortlich für die dort unter „Vorgaben für die Bewertung von Sächsischen Kröpfern, Stand 9/2015 auf der SV Homepage verantwortlich. Dort lesen wir das bei einer  „hängende Ortfeder“ noch die Note g zur Vergabe kommen kann. Diese Aussage - und das bei Ihrem fundamentalen Genetikwissen - ja das ist schon eine Irreführung der „Sachsen-Züchterschaft.  Wir beiden wissen doch wohl, das sich diese Erscheinung sehr „hinterhältig“ vererbt. Will heißen, rezessiv und nicht geschlechtsgebunden. Für die züchterische Praxis muss das unweigerlich das „AUS“ für befallene Tauben sein. Nicht  nur dass, die ganze Familie (meinetwegen auch Linie) aus der ein derartig fehlerhaftes Tier stammt, gehört auf  den Prüfstand und härtere Maßnahmen sollten zumindest überdacht werden. Zu einer solchen knallharten Selektion gehört natürlich auch, dass dem Züchter und allen PR glasklar ist, wie eine hängende Ortfeder zu definieren ist.

 

Hier nochmals zum mitschreiben:

 

Hängende Ortfeder(n): „Eine oder beide äußeren Steuerfeder(n) einer ausgemauserten Taube hängt(en) deutlich unter dem sonstigen Schwanzniveau, so dass ein auffälliger Zwischenraum entsteht und (das ist WICHTIG!) sie sind (ist) stark gewellt!“

 

 

 

 Das „Gewellte“  ist deshalb von so überragender Bedeutung, weil man bei derart  beschaffenen  Federn eindeutig von einer „hängenden Ortfeder“ ausgehen kann. Hängt eine GLATTE Feder, so kann es sich durchaus, resp. wird es sich immer um eine temporäre Erscheinung handeln, die durch Transport  und/oder  „Schaufertigmachen“ entstanden ist. Ggf. ist die Feder gebrochen. Dann kann man sicher noch die Note g  - vielleicht sogar  höher  - vertreten. Bei der „klassischen“ hängenden Ortfeder hat der Kandidat immer NULL Punkte. (..deformiertes Gefieder)

 

Diese zuletzt aufgeführten Sachzwänge müssen unbedingt in den deutschen Rasssetaubenstandard eingefügt werden. Das ist längst überfällig, wie so viele andere elementare Dinge auf diesem Gebiet. 

  

Das ist die Realität. Diese den Zuchtfreunden zu vermitteln ist Pflicht eines jeden Amtsträgers, ganz gleich auf welcher Ebene.

  

Mich für alle Stellungnahmen aus der Züchterschaft bedankend und bittend, zukünftig Fragen oder Vorschläge praxisnah zu formulieren (es können keine ganzen Buchabschnitte veröffentlicht werden!) grüßt Euch alle ganz herzlich

 

Euer Taubenfreund

  

PS Eine Anmerkung zum „Huaba  Sepp. Ich spreche die Zuchtfreunde immer so an, wie sie sich melden. In diesem Fall kannte ich den hochdeutschen Namen sofort, weil mir die eMail Adresse von J. H. im  Gedächtnis war. Was dann – auf Intervention von außen – noch vom Administrator geändert wird, ist für ich ohne Belang.